Redaktion
D. Reinhardt, München
Monatsschr Kinderheilkd 2010 · 158:583–585
DOI 10.1007/s00112-010-2174-8
Online publiziert: 28. März 2010
© Springer-Verlag 2010
M. Hengst
1
· K. Heimann
1
· M. Schoberer
1
· J.W. Spillner
2
· D. Honnef
3
·
T. Orlikowsky
1
· K. Tenbrock
1
1
Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Universitätsklinikum,
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen
2
Klinik für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie, Universitätsklinikum,
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen
3
Klinik für Radiologische Diagnostik, Universitätsklinikum,
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen
Seltene Ursache einer
anhaltenden Tachypnoe
beim Neugeborenen
Kongenitales Lobäremphysem
Originalien
Fallbericht
Anamnese
Bei unauffälligem Schwangerschaftsver-
lauf und regelhaft wahrgenommenen
Vorsorgeuntersuchungen kam es in der
37 3/7 Schwangerschaftswoche zu einem
sekundären Geburtsstillstand, der eine
Sectio erforderlich machte. Die Mutter,
eine 26-jährige Erstgravida, Erstpara, litt
zum Zeitpunkt der Geburt unter einem
Infekt der oberen Atemwege.
Das Kind war initial gut angepasst (Ap-
gar-Werte 9/8/9, Nabelschnurarterien-pH
7,36), entwickelte jedoch im Verlauf von
1 h eine zunehmende Tachypnoe mit sub-
kostalen Einziehungen, stöhnender At-
mung und einem erhöhten Sauerstoffbe-
darf und wurde unter CPAP-Atemhilfe
(CPAP: „continuous positive airway pres-
sure“) in unsere Klinik verlegt.
Unter dem Verdacht auf eine „early on-
set“-Infektion wurde trotz negativer Ent-
zündungsparameter [Interleukin 6 (IL-
6) 6,9 ng/l, C-reaktives Protein (CRP)
<5 mg/l] eine i.v. antibiotische Therapie
mit Ampicillin und Tobramycin begon-
nen. In den Folgetagen zeigte sich eine an-
haltende Tachypnoe von 80/min mit zu-
nehmender CO
2
-Retention bis 55 mmHg,
weswegen eine Röntgenuntersuchung des
Thorax sowie eine Echokardiographie
durchgeführt wurden. Zur weiteren dia-
gnostischen Klärung erfolgten zudem ei-
ne Bronchoskopie sowie eine Computer-
tomographie des Thorax.
Befund
Das eutrophe Neugeborenes befand sich in
reduziertem Allgemein- und Ernährungs-
zustand [Gewicht 3280 g (50.–75. Perzen-
tile), Körperlänge 53 cm (75.–90. Perzen-
tile), Kopfumfang 35 cm (50.–75. Perzen-
tile)]. Es war auch unter CPAP-Atemhilfe
tachypnoeisch, dabei waren beide Lun-
gen seitengleich belüftet. Der Herztonbe-
fund war loco typico. Die Sauerstoffsätti-
gung unter einem FiO
2
(„fraction of ins-
pired oxygen“) von 0,27 betrug >92%. Der
übrige Untersuchungsbefund war unauf-
fällig.
Radiologisch zeigte sich eine deut-
liche Transparenzvermehrung im rech-
ten Hemithorax mit massiver Überblä-
hung der rechten Lunge sowie kompensa-
torischer Verdrängung des Mediastinums
zur Gegenseite und atelektatischer Kom-
pression der übrigen Lungenabschnitte
(. Abb. 1).
In der Bronchoskopie war eine schlitz-
förmige Verlegung des rechten Mittellap-
penbronchus feststellbar.
Es wurde die Diagnose eines konge-
nitalen lobären Emphysems des rechten
Mittellappens gestellt.
Therapie und Verlauf
Es erfolgte eine Lobektomie des rechten
Mittellappens. Intraoperativ zeigte sich
ein deutlich überblähter Mittellappen, der
sich nach der Thorakotomie noch weiter
entfaltete und das übrige Lungengewebe
verdrängte (. Abb. 2). Histologisch wur-
de die Diagnose eines kongenitalen Lo-
bäremphysems bestätigt.
Der postoperative Verlauf war bis auf
ein ausgeprägtes Kapillarleck sowie eine
arterielle Hypotonie, die eine zusätzliche
Katecholamintherapie erforderlich mach-
te, unauffällig. Nach 5 Tagen konnte das
Kind extubiert werden und befand sich
seitdem in gutem Allgemeinzustand.
Die radiologischen Verlaufskontrol-
len zeigten eine rasche Entfaltung der üb-
rigen Lungenlappen mit Rückgang der
Mediastinalverlagerung. Der Junge konn-
te am 22. postoperativen Tag ohne zusätz-
lichen Sauerstoffbedarf nach Hause ent-
lassen werden.
583 Monatsschrift Kinderheilkunde 6 · 2010
|