VERÖFFENTLICHUNGEN DES LANDESAMTES FÜR DENKMALPFLEGE UND ARCHÄOLOGIE SACHSEN-ANHALT • BAND XX • 2021 • BAD KÖSEN-LENGEFELD Der folgende, kurz und provisorisch gehaltene Überblick über die Befunde (evidenten Strukturen) soll die nachste- henden Kapitel einleiten und die Orientierung innerhalb der Fundstelle Bad Kösen-Lengefeld erleichtern (Tab. 1), deren Ausdehnung von den Bearbeitern in einen nördlichen, einen zentralen und einen südlichen Teil aufgegliedert worden ist (Abb. 1). Eine ausführliche Darstellung aller Befunde mit Katalog bleibt dagegen einer späteren Vorlage vorbehalten. Während der letzten zehn Jahre wurde der größte Teil des Siedlungsplatzes (ca. 110 m2) vollständig ausgegraben. Im oberen Bereich der umfangreichen Lössabfolge von mehr als 9 m liegen die archäologischen Horizonte. Nach dem heutigen Stand der Ausgrabung gab es zwei Siedlungshorizonte, von denen der untere erst 2017 aufge- deckt worden ist. Beide Fundschichten sind in ihrer origina- len Position erhalten geblieben, und in beiden Horizonten konnten Befunde dokumentiert werden. Die obere Fund- schicht ist durch die eiszeitliche Entstehung von Fließer- den leicht gestört worden, sodass heute die kleinste Arte- faktklasse im Inventar zum Teil unterrepräsentiert scheint (vgl. Kap. 8 und 9). Die mit den Fließerdevorgängen ver- knüpften Verlagerungen müssen so gering gewesen sein, dass die Befunde weitgehend erhalten geblieben sind. Denk- bar ist aber, dass Teile am Rand von Plattenkonstruktionen Zusammmenfassung In Bad Kösen-Lengefeld weisen zahlreiche gut erhaltene Befunde auf eine deutliche Strukturierung innerhalb der Fundstelle hin. Im Nordteil der Hauptfundschicht zeigen Pferdeknochen Tötungs- und Zerlegungsereignisse vor Ort an. Beim bisherigen Stand der Auswertungen ist vor dem Hinter- grund abweichender Erhaltungszustände der Kalksteinplat- tenlagen von mindestens zwei Belegungsphasen auszugehen. Im zentralen Bereich der Fundstelle befndet sich ein komple- xer Herdstellenbefund (Bef. 15), der von ca. 30 Pfostengruben umgeben ist. Diese gehen möglicherweise auf eine an gleicher Stelle mehrmals leicht versetzte Zeltkonstruktion zurück. In diesem Areal sind neben Pferd auch Ren und Eisfuchs im Fau- nenmaterial vertreten. Der südliche Abschnitt der Fundstelle spiegelt hingegen ein Jagdereignis wider, das ausschließlich auf das Erbeuten von Rentieren ausgerichtet war. Zahlreiche gravierte Kalksteinplatten, die am Übergang vom südlichen zum zentralen Teil gefunden wurden, sind von besonderem Interesse. Summary The features of the northern, central, and southern part of the site of Bad Kösen-Lengefeld – an overview At Bad Kösen-Lengefeld, several well-preserved features sug- gest a marked intra-site structuring. In the northern part of the main layer, horse bones indicate on-site killing and dismembering of prey. At the current state of research, the diferent states of preservation of the limestone scatters sug- gest at least two occupation phases. In the central area of the site, a complex freplace ( feature 15) surrounded by approx. 30 postholes indicates the former presence of a tent. It might have been pitched several times. In this part of the site, rein- deer and ice fox appear alongside horse remnants. The south- ern part of the settlement area refects a hunting episode exclusively associated with the exploitation of reindeer. Numerous engraved limestone slabs that have been found in the interface between the central and southern area are of particular importance. Die Befunde im nördlichen, zentralen und südlichen Teil des Fundplatzes Bad Kösen-Lengefeld – ein Überblick Jürgen Richter und Andreas Maier Nr. X Y B T Art Beschreibung 1 63 38 ff N ST Plattenlage, locker verteilt, mit Artefakten und Knochen 2 57 37 ff N ST Plattenlage, dicht und scharf begrenzt, schwarzes Füllsediment aus Verbren- nungsprodukten 3 60 38 ff N ST Plattenlage 4 63 37 ff N ST Plattenlage, locker verteilt, Störung durch Pflug 5 66 37 ff N G/P Grube 6 59 39 b N G/P kleine Grube, Depot aus Silexartefakten 7 57 35 b Z G/P kleine Grube 8 57 35 c Z G/P kleine Grube, Steinsetzung auf Sohle 9 57 33 a Z G/P kleine Grube