Dauerhaftigkeitsbemessung und Lebenszyklus von Stahlbetonbauwerken Christoph Gehlen Zusammenfassung In diesem Beitrag wird vorgestellt, wie der Lebenszyklus eines Ingenieurbauwerkes hinsichtlich ökonomischer Qualität gesteuert und vergleichend beurteilt werden kann. Die zu erwartende Lebensdauer von Ingenieurbauwerken ist dabei ein Parameter, der maßgeblich die ökonomische Qualität des Bauwerkes bestimmt. Für die Steuerung der ökonomischen Qualität hat die Dauerhaftigkeitsbemessung insofern eine besondere Bedeutung. Mit Hilfe der vorgestellten Methodik, die sich auf ein Sicherheitskonzept auf probabilistischer Grundlage abstützt, wird aber nicht nur die ökonomische Qualität von Bauwerken transparent erfasst, sondern auch eine wichtige Datengrundlage für weitere Beurteilungen geschaffen, z. B. mit Blick auf ökologische Qualität des Bauproduktes. 1 Allgemeines Die nachhaltige Entwicklung besitzt weltweit als Leitbild für die Zukunft eine herausragende Bedeutung. Das Bauwesen nimmt dabei eine besondere Stellung ein, da es wesentliche Bedürfnisse des Menschen wie Wohnen und infrastrukturelle Bedürfnisse befriedigt und zugleich große wirtschaftliche und für die Umwelt relevante Ressourcen damit verbunden sind. Die Betonbauweise nimmt innerhalb des gesamten Bauwesens auf Grund der eingesetzten Mengen an Material, der großen Breite der Anwendungen und der in der Leistungsfähigkeit der Bauweise begründeten Entwicklungspotenziale eine herausragende technische und wirtschaftliche Stellung ein. Allein im Jahr 2008 wurden zum Beispiel rd. 41 Mio. m 3 Transportbeton in Deutschland hergestellt. Dies entspricht einem Umsatz von rd. 2,6 Mrd. Euro. Der Umsatz in der Zementindustrie betrug im gleichen Jahr rd. 2,3 Mrd. Euro bei einem nationalen Zementabsatz von rd. 35 Mio. t. Diese exemplarisch ausgewählten Zahlen verdeutlichen, dass insbesondere im Betonbau eine nachhaltige Entwicklung umgesetzt werden muss, wenn sie im Bauwesen auf breiter Ebene Wirkung entfalten soll. Zugleich stellt die Forderung nach nachhaltigem Bauen für die Bauwirtschaft eine Chance dar, um von einem kurzsichtigen Kostenwettbewerb zu einem Qualitätswettbewerb zu kommen, der diesen langfristigen Zielen im Ergebnis gerecht wird. Nicht zuletzt die die Bauwirtschaft prägenden kleinen und mittleren Unternehmen (KMU‘s) können von einem solchen Wandel profitieren. Mit Blick auf die Agenda 21 kommt es den am Betonbau beteiligten Industriepartnern darauf an, ökologische, ökonomische und soziale Bedürfnisse entlang der Wertschöpfungskette von der Rohstoffgewinnung über die Zement- und Betonherstellung bis zum Rückbau und Recycling insgesamt besser aufeinander abzustimmen. Das übergeordnete Ziel von Systemen zur Bewertung von Nachhaltigkeit ist, die Qualität von Gebäuden und baulichen Anlagen in ihrer Komplexität zu beschreiben und zu bewerten. Die Bewertungssysteme sollen die Bedeutung gesellschaftlich anerkannter Ziele und Inhalte angemessen berücksichtigen und eine ausgewogene Bewertung ökologischer, ökonomischer, sozialer, funktionaler und technischer Aspekte bei gleichzeitiger Betrachtung der Qualität von Prozessen der Planung, Realisierung und Bewirtschaftung ermöglichen, vgl. hierzu Abb. 1. Des Weiteren können Standortmerkmale ausgewiesen werden.