265
„Macht. Führung. Sinn?“ – Leadership
als Wertebildungsort
Judith Klaiber
1 Einleitung
Führungskräfte sollen in Organisationen „Orientierung in Phasen der Orientierungs-
losigkeit geben, Sicherheit in Situationen der Unsicherheit spenden“ (Von Ameln
und Kramer 2012, S. 196). Vor allem die zunehmende Beschleunigung und Volatili-
tät, Entscheidungsfindung in permanenter Change-Situation als organisationaler
Lernprozess sowie Fragen eines effektiven Wissensmanagements stellen besondere
Herausforderungen an Führungskräfte. Solche Gemengelagen sind nicht allein
durch situativ variable, variationsreiche und damit flexible Führungstechniken zu
bewältigen, sondern tangieren das fundamentale Selbstverständnis der Führungs-
person: ihr Führungs- und Werteverständnis per se.
1
Der vorliegende Artikel nimmt Bezug auf die Einordnung von Leadership
und Führung als Wertebildungsort in organisationalen Kontexten. Dabei wird
© Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019
R. Verwiebe (Hrsg.), Werte und Wertebildung aus interdisziplinärer Perspektive,
https://doi.org/10.1007/978-3-658-21976-5_12
J. Klaiber (*)
Diözese Rottenburg-Stuttgart, Stuttgart, Deutschland
E-Mail: jklaiber@bo.drs.de
Der Titel des Artikels ist angelehnt an Meier und Sill (2010).
1
Führung kann Ortmann zufolge als ein Tauschverhältnis gesehen werden, „in dem man den
Geführten hinreichend attraktive Handlungsmöglichkeiten offerieren kann“, und als „die
Besinnung darauf, dass die Führer auf Handlungsmöglichkeiten bedacht und womöglich
angewiesen sind, die die Geführten ‚im Angebot‘ haben“ (Ortmann 2012, S. 126). Dieses
intendierte Tauschverhältnis könnte z. B. mit dem Ansatz eines Empowering Leadership
weiter durchbuchstabiert werden (vgl. Furtner 2016).