63 DOI: 10.17234/ZGB.27.4 CROSBI: izvorni znanstveni rad ZGB 27/2018, 63–78 Anna Gondek | Uniwersytet Wrocławski, anna.gondek@uwr.edu.pl Joanna Szcze ¸k | Uniwersytet Wrocławski, joanna.szczek@uwr.edu.pl Zum semantischen Feld ›Defäkation‹ im Deutschen und im Polnischen Eine vergleichende Studie Geschrieben stinkt Scheiße nicht. (Roland Barthes) 1. Einführende Bemerkungen Defäkation gehört zweifelsohne zu den Berei- chen der menschlichen Physiologie, über die sowohl öffentlich als auch privat eher zurückhal- tend gesprochen wird. Mehr noch, sie wird kon- sequent verdrängt, obwohl sie doch zu unserem täglichen Leben gehört. Wie bei allen mensch- lichen Ausscheidungen ergibt sich dies aus den Scham- und Peinlichkeitsgefühlen. 1 Aber wie Werner schreibt, gründet die menschliche Kultur auf Scheiße […] weil wir erst durch Abgrenzung von der Scheiße wissen, was Kultur überhaupt ist. […] Wir brauchen ein unkulti- viertes Gegenüber, um uns allererst als zivilisierte Wesen begreifen zu können. Wir brauchen die Scheiße, um sie zu beseitigen und uns dadurch in unserer Kultiviertheit zu bestätigen. Die Scheiße ist für unser Selbstverständnis als moderne Menschen unabdingbar. 2 1 Vgl. Werner: Dunkle Materie, S. 9. 2 Ebd., S. 7. Im Beitrag wird ein Versuch unternommen, das semantische Feld ›Defäkation‹ im Deutschen und im Polnischen zu präsentieren. Unser Interesse gilt sowohl der standardsprachlichen und fachsprachlichen als auch der umgangssprachlichen Verbalisierung dieser Thematik. Ausgegangen wird von der Bedeutung der Lexeme ›Scheiße‹/›gówno‹; es werden auch Lexeme ›scheißen‹/›srać‹ berücksichtigt, die einen wichtigen Bestandteil des gesamten Lexemverbandes bilden. In unserer Analyse wollen wir uns vor allem auf die Frage konzentrieren, welchen Einfluss der umgangssprachliche und expressive Gebrauch der genannten Lexeme auf die Erweiterung der Bedeutung hat.