(Der Preisträgervortrag wurde in einer Plenarsitzung am 17. Juni 2011 vor- getragen) Der Preis für Geisteswissenschaften 2010 wurde Herrn Alexander Ziem, Düsseldorf, für sein Buch „Frames und sprachliches Wissen. Kognitive Aspekte der semantischen Kompetenz“ verliehen. Was bedeuten die Wörter? ALEXANDER ZIEM Alexander Ziem, Akademischer Rat am Institut für Germanistik, Abt. Sprachwissenschaften, der Heinrich- Heine-Universität Düsseldorf, Träger des Preises für Geisteswissenschaften 2010 Was bedeuten die Wörter, die wir tag- täglich so selbstverständlich benut- zen und in der Regel auch verste- hen? So banal die Frage auch klingen mag, so fundamental ist ihre Relevanz für das Funktionieren unseres sozia- len Zusammenlebens, und zwar – so- ziologisch gesprochen – in allen sozia- len Teilsystemen. Im Alltag können wir noch über lokale Missverständ- nisse hinwegsehen, wobei wir freilich auch in Alltagsgesprächen unterstel- len, dass unser Gegenüber einen zu- mindest ähnlichen Begriff von dem Gesagten hat wie wir, wenn wir die Wörter verwenden. In der Rechtspre- chung, genauer der Rechtsauslegung, ist die Möglichkeit einer verbind- lichen Auslegung von sprachlichen Bedeutungen die Bedingung dafür, dass die erzielte Interpretation für alle Beteiligten gleichermaßen gilt. Und auch für die Wissenschaft, zumindest insofern sie mit Sprache operiert, ist die Identität von intendierter und verstandener Bedeutung konstitutiv; ohne sie wäre der Anspruch auf wissenschaftliche Präzision und objektive Geltung nicht möglich. Doch was bedeuten die Wörter? Und wie lässt sich hinreichend ex- plizieren, was wir verstehen, wenn wir Wörter – als Teile einer Äuße- rung – verstehen? Diese Frage ist so alt wie das Interesse an der Beschäf- 10.1515/JBG-2011-0015