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Rhetorisches Handeln und Veränderung
Petra Aczél
„Es gibt ein bestimmtes staatliches System, das aus vielen bedeutenden Ab-
teilungen besteht. Ein bedeutender und umfangreicher Teil davon ist die
kunstvolle Beredsamkeit, die man Rhetorik nennt. Denn ich bin nicht der
Meinung derer, die glauben, die politische Wissenschaf brauche die Bered-
samkeit nicht; und ganz im Widerspruch stehe ich zu denen, die glauben,
sie stütze sich ganz und gar auf die Kraf und Kunst des Rhetors. Deshalb
will ich die rednerische Fähigkeit in diese Gattung einordnen, dadurch daß
ich sie einen Teil der politischen Wissenschaf nenne. Aufgabe aber dieser
Fähigkeit scheint es zu sein, geeignet zu sprechen, um zu überzeugen; das
Ziel ist die Überredung durch den rednerischen Vortrag.“1
„Given the emphasis on the discursive and historical dimensions of democ-
racy, it is surprising that commentators have almost universally failed to
consider the potential contributions of the history of rhetorical theory and
practice to the understanding of democratic processes.“2
1 Einleitung
„Der Papst ist unser Feind. Aufgrund seiner Kommunikationsfähigkeiten und seines
Humors ist er gefährlich, denn er ist in der Lage, jeden zu überwältigen, insbeson-
dere Journalisten. Zudem bedient er sich im Umgang mit Massen erfolgreich ‚billi-
ger‘ Gesten: Er setzt seinen schwarzen goralischen Hut auf, schüttelt jedem die Hand,
gibt den Kindern Küsschen. All dies geschieht nach dem Vorbild amerikanischer Kam-
pagnen […].“3
1 Cicero, De inventione 5.6.
2 Fontana u. a. 2004, S. 2.
3 Kubik 1994, S. 134; Weigel 2005, S. 304.
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Z. Szalai und B. Orbán (Hrsg.), Der ungarische Staat, Staat – Souveränität –
Nation, https://doi.org/10.1007/978-3-658-33677-6_4