Die Erscheinungen von Fátima bei Edouard Dhanis s. J. Genese und Problematik einer Kritik Von Michael Stickelbroeck, St. Pölten Zusammenfassung Der Artikel widmet sich – anlässlich des 100. Jubiläums der Erscheinungen von Fátima – der genauen inhaltlichen Auswertung der Studien von E. Dhanis, eines flämsichen Jesuiten, über das Fátimaereignis. Dabei wird sein in flämischer Sprache abgefasstes Hauptwerk im Hinblick auf zwei spätere Aufsätze desselben Autors, die leichte Modifikationen bringen, und auf dem Hintergrund der neueren Studien über Fátima, die sich auf gesicherte Quellen stützen, einer kritischen Relecture unterzogen. Dhanis betrachtet die Fátima-Botschaft aufgrund seines bestimmenden Apriori: dass es nämlich zwischen dem originären Ereignis von 1917 (Fátima I) und späteren Zu- taten aus der Feder von Sr. Lucia (Fátima II) zu unterscheiden gelte – zwei Momente, die sich diskontinuierlich zueinander verhalten. In einem zweiten Schritt wird die Wirkung der Studien von Dhanis auf die Deutung von Fátima bei Rahner / Baumann untersucht. I. Einführung: Literarische Umschau Der flämische Jesuit E. Dhanis hatte bereits 1944 in der Zeitschrift »Streven« einen Artikel publiziert, der dort unter dem Titel »Bij de verschijningen en de voor- zeggingen van Fátima« 1 erschien, der aber mit dem 1945 erschienenen Buch, das sich dem gleich Thema widmet und das mir hier im Wesentlichen als Textgrundlage dient, identisch ist. 2 Aufgrund zahlreicher Resümees und Rezensionen in deutscher und französischer Sprache erhielt das Werk einen Aufmerksamkeit, die ihm ohne die- se Rezeption wohl kaum zuteil geworden wäre, da das Flämische sich nicht ohne Weiteres für jeden gut liest. Dahnis nimmt die Kritik, die seine ersten Thesen auf sich zogen – vor allem von Seiten L. G. De Fonsecas und H. Jongens – zum Anlass, mit einem zweiten ausge- weiteten Artikel seine Hypothesen zu verteidigen. 3 Und auf die Replik von A. Veloso Die Erscheinungen von Fátima bei Edouard Dhanis s. J. 1