Inklusion/Exklusion aus menschenrechtlicher
Perspektive: Das Beispiel der Roma
Inklusion/Exklusion aus menschenrechtlicher Perspektive
Christina Binder
1 Einleitung
Exklusion – wörtlich Ausschließung, Ausgrenzung
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– kann eine Vielzahl von For-
men annehmen und sich in unterschiedlichen Bereichen manifestieren. Diese rei-
chen von Ausgrenzung als sozial-gesellschaftliches Phänomen bis zu ethnischen
Säuberungen und Völkermord. Zwischen diesen Extremen äußert sich Ausgren-
zung auch in der rechtlich-gesetzlichen Diskriminierung von bestimmten Gruppen
(z.B. Ausschluss vom Wahlrecht oder geringere Sozialleistungen) oder der fakti-
schen Diskriminierung – diesfalls wirken sich bestimmte eigentlich neutrale Maß-
nahmen z.B. der Budgetpolitik nachteilig auf bestimmte Gruppen aus.
Die hier eingenommene menschenrechtliche Perspektive auf (Inklusion und)
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Exklusion setzt damit beim Vorliegen eines Ausgrenzungstatbestandes an. Dieser
soll menschenrechtlich in den Griff bekommen werden. Dabei wird auf jene Be-
reiche abgestellt, bei denen die Exklusion von Individuen oder Gruppen aus der
Perspektive des (internationalen) Menschenrechtsschutzes beachtlich ist; im Prin-
zip also, wenn internationale Menschenrechtsstandards verletzt werden. Eine sol-
che menschenrechtliche Betrachtungsweise kann hier, im Sinn von Wolfgang Bonß,
dem dieser Beitrag gewidmet ist, als ein „Zuwachs an Möglichkeiten, Grenzziehun-
gen in Zweifel zu ziehen“ interpretiert werden.
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Vormals als legitim erachtete
Grenzziehungen können so hinterfragt und, idealer Weise, beseitigt werden.
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Was die Eingrenzung der von Exklusion Betroffenen anbelangt, liegt ein be-
sonderer Fokus auf der Ausgrenzung von Gruppen (oder ihrer Angehörigen), die
Die Autorin dankt Mag. Marija Dobric für wertvolle Unterstützung bei den Recherchen und Dr.
Jane Hofbauer für hilfreiche Anmerkungen zu einem Vorentwurf dieses Beitrags.
1 Exklusion und Ausgrenzung werden in der Folge austauschbar gebraucht.
2 Inklusion wird im Rahmen dieses Beitrags vor allem als Spiegelbild von Exklusion verstanden
und auf dieser Basis nicht weiter analysiert. Der Fokus liegt auf Exklusion.
3 Siehe U. Beck, W. Bonß, C. Lau, Theorie reflexiver Modernisierung – Fragestellungen, Hypo-
thesen, Forschungsprogramme, in U. Beck, W. Bonß (Hrsg), Die Modernisierung der Moderne
(Suhrkamp 2001) 11, 39. Siehe auch Pelizäus, Helga, Nieder, Ludwig, Einleitung: Überlegungen
zu einem ungewissen und uneindeutigen Thema und Forschungsfeld, S. 1-27 in dieser Fest-
schrift.
4 ebd.
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H. Pelizäus und L. Nieder (Hrsg.), Das Risiko – Gedanken übers und ins Ungewisse,
https://doi.org/10.1007/978-3-658-27341-5_15