502 Analyse von Sicherheitsempfindungen mit GIS das Beispiel nächtlicher Furchträume in Tübingen Christian Sommer, Vanessa Kruse, Andreas Braun und Hans-Joachim Rosner Geographisches Institut, Universität Tübingen · christian.sommer@student.uni-tuebingen.de Short paper Zusammenfassung Im Rahmen des Arbeitskreises CrimeGIS an der Uni Tübingen wurde ein studentisches Pilotprojekt durchgeführt, in dem der Zusammenhang zwischen innerstädtischer Beleuch- tung und der Wahrnehmung sogenannter „Furchtorte“ untersucht wird. Dazu wurde einer- seits eine Smartphoneapplikation entwickelt, mit der die Lichtstärke am jeweiligen Standort erfasst wurde. Zum anderen wurden psychophysiologische Parameter mittels Messarmbän- dern von Probanden erhoben, die eine Teststrecke absolvierten. Zusätzlich wurden diese per Smartphone nach ihrem subjektiven Befinden befragt. Die Ergebnisse ermöglichen es, ein zukünftiges Projekt mit repräsentativen Umfang und präziseren Methoden zu entwickeln. 1 Thematik Die Erfassung nächtlicher Furchträume in Tübingen ist ein interdisziplinäres Projekt der Fachbereiche Geographie, Rechtswissenschaften sowie Psychologie, konkret der For- schungsbereiche Geoinformatik, Kriminologie sowie Klinische und Entwicklungspsycho- logie. In einer vorhergehenden Untersuchung wurden Befragungen zu „Furcht-“ bzw. „Wohlfühlorten“ im öffentlichen bzw. universitären Raum durchgeführt. Dabei stellte sich heraus, dass sich die Wahrnehmung an den verschiedenen Orten abhängig von der Tages- zeit stark unterscheidet. Plätze, die tagsüber als einladend und sicher beschrieben wurden, wurden nachts als unangenehm empfunden. Diese Erkenntnis führt zur Ausgangsfrage dieses Projekts: Wie wirkt sich Dunkelheit auf die emotionale Wahrnehmung der Umge- bung aus und ist dies mit GIS-Methoden räumlich analysierbar? Zahlreiche Forschungsfragen begleiten das Projekt: Lässt sich Furcht bzw. Stress messen? Welche Möglichkeiten einer mobilen Messung von Furcht bestehen? Wie präzise können mobile Sensorarmbänder Furcht messen? Eignen sich diese überhaupt zur Erfassung von Emotionen – wie z. B. Furcht in unserem konkreten Fall? Können mobil gemessene Stress- faktoren zu einer Kartierung von Furchtorten beitragen? Lässt sich eine Korrelation von geringer beleuchteten Flächen mit erhöhtem Stress der Probanden belegen? 2 Methodik Als Untersuchungsgebiet wurde eine typische Laufstrecke in Tübingen gewählt. Bei der Festlegung des Streckenverlaufs wurde zum einen darauf geachtet, dass möglichst hetero- gene urbane Bereiche wie Innenstadt, stark frequentierte Straßen, Parks etc. passiert werden AGIT Journal für Angewandte Geoinformatik, 1-2015, S. 502-507. © Wichmann Verlag, VDE VERLAG GMBH · Berlin · Offenbach. ISBN 978-3-87907-557-7, ISSN 2364-9283, eISSN 2509-713X, doi:10.14627/537557069. Dieser Beitrag ist ein Open-Access-Beitrag, der unter den Bedingungen und unter den Auflagen der Creative Commons Attribution Lizenz verbreitet wird (http://creativecommons.org/licenses/by/3.0/).