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Analyse von Sicherheitsempfindungen mit GIS ‒
das Beispiel nächtlicher Furchträume in Tübingen
Christian Sommer, Vanessa Kruse, Andreas Braun und Hans-Joachim Rosner
Geographisches Institut, Universität Tübingen · christian.sommer@student.uni-tuebingen.de
Short paper
Zusammenfassung
Im Rahmen des Arbeitskreises CrimeGIS an der Uni Tübingen wurde ein studentisches
Pilotprojekt durchgeführt, in dem der Zusammenhang zwischen innerstädtischer Beleuch-
tung und der Wahrnehmung sogenannter „Furchtorte“ untersucht wird. Dazu wurde einer-
seits eine Smartphoneapplikation entwickelt, mit der die Lichtstärke am jeweiligen Standort
erfasst wurde. Zum anderen wurden psychophysiologische Parameter mittels Messarmbän-
dern von Probanden erhoben, die eine Teststrecke absolvierten. Zusätzlich wurden diese per
Smartphone nach ihrem subjektiven Befinden befragt. Die Ergebnisse ermöglichen es, ein
zukünftiges Projekt mit repräsentativen Umfang und präziseren Methoden zu entwickeln.
1 Thematik
Die Erfassung nächtlicher Furchträume in Tübingen ist ein interdisziplinäres Projekt der
Fachbereiche Geographie, Rechtswissenschaften sowie Psychologie, konkret der For-
schungsbereiche Geoinformatik, Kriminologie sowie Klinische und Entwicklungspsycho-
logie. In einer vorhergehenden Untersuchung wurden Befragungen zu „Furcht-“ bzw.
„Wohlfühlorten“ im öffentlichen bzw. universitären Raum durchgeführt. Dabei stellte sich
heraus, dass sich die Wahrnehmung an den verschiedenen Orten abhängig von der Tages-
zeit stark unterscheidet. Plätze, die tagsüber als einladend und sicher beschrieben wurden,
wurden nachts als unangenehm empfunden. Diese Erkenntnis führt zur Ausgangsfrage
dieses Projekts: Wie wirkt sich Dunkelheit auf die emotionale Wahrnehmung der Umge-
bung aus und ist dies mit GIS-Methoden räumlich analysierbar?
Zahlreiche Forschungsfragen begleiten das Projekt: Lässt sich Furcht bzw. Stress messen?
Welche Möglichkeiten einer mobilen Messung von Furcht bestehen? Wie präzise können
mobile Sensorarmbänder Furcht messen? Eignen sich diese überhaupt zur Erfassung von
Emotionen – wie z. B. Furcht in unserem konkreten Fall? Können mobil gemessene Stress-
faktoren zu einer Kartierung von Furchtorten beitragen? Lässt sich eine Korrelation von
geringer beleuchteten Flächen mit erhöhtem Stress der Probanden belegen?
2 Methodik
Als Untersuchungsgebiet wurde eine typische Laufstrecke in Tübingen gewählt. Bei der
Festlegung des Streckenverlaufs wurde zum einen darauf geachtet, dass möglichst hetero-
gene urbane Bereiche wie Innenstadt, stark frequentierte Straßen, Parks etc. passiert werden
AGIT ‒ Journal für Angewandte Geoinformatik, 1-2015, S. 502-507. © Wichmann Verlag, VDE VERLAG GMBH ·
Berlin · Offenbach. ISBN 978-3-87907-557-7, ISSN 2364-9283, eISSN 2509-713X, doi:10.14627/537557069.
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