Luisa WAGNER, Antje EHLERT, Universität Potsdam, DE Kompetenzen angehender Lehrkräfte auf dem Prüfstand – Diagnostizieren und Interpretieren Durch die Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention hat jedes Kind in Deutschland das Recht, an einer Regelschule unterrichtet zu wer- den (Hendricks, 2007). Daraus entstehen neue Herausforderungen für Leh- rerinnen und Lehrer: Der Unterricht muss binnendifferenziert gestaltet werden, sodass er an die individuellen Lernvoraussetzungen der Kinder angepasst ist. Dafür müssen die Lehrkräfte in der Lage sein, den Entwick- lungs- und Lernstand der Kinder aus dem unterrichtlichen Handeln heraus erkennen und darauf die Lerngelegenheiten abstimmen zu können. Theoretischer Hintergrund Für die Gestaltung eines solchen differenzierenden Unterrichts ergeben sich wichtige Handlungsschritte (Kultusministerkonferenz, 2004): Als ers- tes müssen die Lernvoraussetzungen der Schülerinnen und Schüler festge- stellt werden. Da standardisierte Verfahren häufig für die gesamte Klasse nicht praktikabel einsetzbar sind, ist das Erkennen des Vorwissens aus dem Handeln im Unterricht eine wichtige Fertigkeit. Daran schließt sich das Begutachten und Einschätzen der Lösungsstrategien und Ergebnisse an. Daraus können eventuelle Schwierigkeiten erkannt und individuelle För- dermaßnahmen abgeleitet werden. Aus diesen Anforderungen ergibt sich, dass die Diagnosekompetenz der Lehrkräfte von besonderer Bedeutung ist. Ingenkamp & Lissmann (2005) und Kunter et al. (2011) beschreiben die Kerninhalte dieser Kompetenz wie folgt: - Die Lehrkräfte kennen das diagnostische Potenzial von Aufgaben und können dadurch den Lernstand der Schülerinnen und Schüler ermitteln. - Sie können das Vorwissen der Kinder einschätzen und dadurch even- tuelle Schwierigkeiten erkennen. - Die Lehrpersonen können die Qualität der verwendeten Lösungsstrate- gien einschätzen. - Sie kennen standardisierte Testverfahren und deren Grenzen und kön- nen sie durchführen und auswerten. Projektbeschreibung Trotz der Wichtigkeit der Diagnosekompetenz von Lehrkräften hat sich bei PISA gezeigt, dass gerade leistungsschwache Schülerinnen und Schüler nur selten identifiziert werden (Lorenz, 2011). Stattdessen werden sie von den U. Kortenkamp & A. Kuzle (Hrsg.), Beiträge zum Mathematikunterricht 2017. Münster: WTM-Verlag. Seite 1171