189 Muslimische Gemeinden in der Flüchtlingsarbeit Rauf Ceylan und Samy Charchira 1 Einleitung Seit den 1990er Jahren wird verstärkt über die Frage diskutiert, wie die freien Wohlfahrtsverbände stärker ihre Angebote auf die Bedürfnisse der Klientel mit Migrationshintergrund ausrichten können. In diesem Zusammenhang begann eine Diskussion bei den Verbänden um die interkulturelle Öffnung sowohl für Mitarbeiter als auch für die Klientel mit Migrationshintergrund. Im Kontext der Klientel geht es vor allem um das Thema der kultursensiblen Angebote. Während der Begriff „Kultur“ im Vordergrund stand, sollte Religion eher eine untergeord- nete Rolle einnehmen. Das ist insofern nicht verwunderlich, da in der gesamten Integrationsdebatte seit den 1970er Jahren eher ethnische und kulturelle „Eigen- heiten“ der unterschiedlichen Migrantengruppen im Fokus von Maßnahmen stan- den. Seit den 2000er Jahren hat die Politik allerdings die Bedeutung der Dimen- sion „Religion“ für die Migranten erkannt und seitdem mehrere Initiativen wie beispielsweise die stärkere Kooperation mit den muslimischen Gemeinden, die Organisation der Deutschen Islam Konferenz oder die Gründung der Institute für Islamische Theologie initiiert. Im Zuge dieser Entwicklung wurde ebenso an die alte Debatte um die interkul- turelle Öffnung der Regeldienste, also all die Einrichtungen der Jugend-, Familien und Altenhilfe angeknüpft. So ist es nicht verwunderlich, dass bei einer Auftakt- veranstaltung im Januar 2014 der Bundesinnenminister Thomas de Maizière mit den in der Deutschen Islamkonferenz vertretenen islamischen Dachorganisationen das Themenfeld „Wohlfahrtspfege und gesellschaftliche Teilhabe“ als gemeinsa- © Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019 O. Hidalgo und G. Pickel (Hrsg.), Flucht und Migration in , Politik und Religion, https://doi.org/10.1007/978-3-658-23309-9_8 Europa