CME-Fortbildung 404 Vollmar HC et al. DEGAM-Leitlinie Demenz CME 2008; 84: 404–417 CME DEGAM Leitlinie Demenz – Teil 2: Versorgung und Therapie DEGAM Guideline dementia – Part 2: Medical Care and Therapy H. C. Vollmar 1, 2 , P. Mand 3 , S. Wilm 1 , M. E. Butzla 4 Lernziele & Dieser Artikel soll den in der Primärversorgung tätigen Ärzten wissenschaftlich begründete Anleitungen für die Therapie und die Versorgung von Menschen mit Demenz geben. Um diese Ziele zu erreichen, werden im folgenden Beitrag die entsprechenden Kernaussagen der DEGAM-Leitlinie Demenz dargestellt [1]. Ein CME-Beitrag zur Diagnostik der Demenz ist be- reits in dieser Zeitschrift erschienen (7/2008) [2]. Um den Zusammenhang zur Leitlinie trans- parent zu machen, werden die Empfehlungen am Rand mit den Empfehlungsstärken der Leitli- nie dargestellt: A basiert auf wissenschaftlichen Studien hoher Qualität, B auf sonstigen Studi- en und C auf Konsensusaussagen oder Expertenurteilen. Wenn nicht ausdrücklich von anderen Demenzformen gesprochen wird, ist die häugste Form – die Alzheimer-Demenz – adressiert. Einleitung & Eine Kausaltherapie der Alzheimer- oder vaskulären Demenz existiert bisher nicht. Behand- lungsziele sollten deshalb – neben der frühzeitigen Identizierung von reversiblen Demenz- Formen – eine Verzögerung der Progression und die Verbesserung der Versorgungssituation von Patienten und Angehörigen sein. Das Wesen der Demenz-Erkrankung mit ihren tagtäg- lichen Verlusterlebnissen und Misserfolgen erfordert eine Hilfestellung in vielen Bereichen. Dem Hausarzt kommt hierbei eine wichtige Rolle zu [3]. Im Verlauf der Erkrankung kommt es zunehmend zu Einbußen bei der Orientierung im alltäg- lichen Umfeld, zunächst z. B. bei der Benutzung ö entlicher Verkehrsmittel oder während eines Urlaubs in ungewohnter Umgebung, später auch im häuslichen Umfeld. Verschiedene Formen der Therapie und des Trainings mit dem Patienten haben das Ziel, möglichst lange seine Fähig- keiten im Alltag zu erhalten. Durch Zuwendung und psychosoziale Unterstützung sollen eine vorzeitige Veränderung der Persönlichkeit und der Verlust alltagsrelevanter Fähigkeiten hi- nausgezögert werden. Therapeutische Maßnahmen versuchen, dem Patienten die Orientie- rung zu erleichtern, Gefahrenquellen in seiner nächsten Umgebung zu minimieren und durch Anbieten von fassbaren Erinnerungen Brücken zur Realität zu schlagen. Für den behandelnden Arzt ist es daher besonders wichtig, mit den Betroenen, den Angehörigen, dem sozialen Um- feld und dem betreuenden Personal partnerschaftlich zusammenzuarbeiten [4]. Dabei sollten andere chronische Erkrankungen und deren Therapie berücksichtigt werden; z. B. die bestim- mungsgemäße Medikamenteneinnahme [5]. Nicht zuletzt dient die Einbindung der betreuen- den Angehörigen der Vorbeugung des Erkrankens eben dieser Personen. Eine Wesensverände- rung bei nahen Angehörigen zu erleben und die zunehmenden Alltagsschwierigkeiten zu be- wältigen, ist meist sehr belastend und führt nicht selten zur Krankheit der Betreuenden [6]. Die DEGAM-Leitlinie empehlt ein Behandlungskonzept auf 3 Ebenen: 1. Optimale Betreuung und Pege der erkrankten Menschen, 2. Nicht medikamentöse Therapien und 3. Medikamentöse Therapien. Eine Kausaltherapie der Alzhei- mer- oder vaskulären Demenz existiert bisher nicht. Ziele sollten deshalb eine Verzöge- rung der Progression und die Verbesserung der Versorgungs- situation von Patienten und Angehörigen sein. Dazu eignet sich ein multimodales Behand- lungskonzept auf 3 Ebenen. C Eine Kausaltherapie der Alzhei- mer- oder vaskulären Demenz existiert bisher nicht. Ziele sollten deshalb eine Verzöge- rung der Progression und die Verbesserung der Versorgungs- situation von Patienten und Angehörigen sein. Dazu eignet sich ein multimodales Behand- lungskonzept auf 3 Ebenen. C Schlüsselwörter Leitlinie Demenz Alzheimer Therapie Versorgung Key words guideline dementia Alzheimer’s disease therapy medical care Peer reviewed article eingereicht: 13.07.2008 akzeptiert: 11.08.2008 Bibliograe DOI 10.1055/s-0028-1085437 Online-Publikation: 2008 Z Allg Med 2008; 84: 404–417 © Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York ISSN 1433-6251 Korrespondenzadresse Dr. H. C. Vollmar, MPH Uni Witten/Herdecke Institut für Allgemeinmedizin und Familienmedizin Alfred-Herrhausen-Str. 50 58448 Witten vollmar@uni-wh.de 1 Institut für Allgemeinmedizin und Familienmedizin, Universitä t Witten/Herdecke 2 Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung (ISI), Karlsruhe 3 Abteilung für Allgemeinmedizin, Medizinische Hochschule Hannover 4 Fakultä t für Medizin, Universitä t Witten/Herdecke