Die Lehre qualitativer Forschung im Studium der Sozialen Arbeit: Ein Erfahrungsbericht von Nebenschauplätzen Diskussionsbeitrag zur FQS-Debatte "Lehren und Lernen der Methoden qualitativer Sozialforschung" Rudolf Schmitt Zusammenfassung: Der Aufsatz soll den Blick von spezialisierten und außerhalb des Regelangebots verorteten Projekten zur Lehre qualitativer Forschung lenken auf die Mühen der Ebene, bzw. auf die Mühen einer ganz bestimmten Ebene: die Lehre qualitativer Forschung in einer Hochschule für angewandte Forschung. Zunächst werden organisatorische und dann curriculare Rahmenbedingungen erläutert, dann für konkrete Veranstaltungen die Verbindung von Sozialer Arbeit und qualitativer Forschung in der Lehre geschildert; kurze Folgerungen bilden den Abschluss. 1. Qualitative Forschung unter Regelbedingungen: Plädoyer für den 36-Stunden-Tag 1 Qualitative Forschung und die Lehre im Studium der Sozialen Arbeit befinden sich in einer Spannung zueinander: Zwar wird darauf verwiesen, dass das Studium der Sozialen Arbeit ein wissenschaftliches Studium sei, und publizierte Forschungsleistungen sind bei Berufungen von Professor/inn/en Pflicht. De facto ist bei einem Budget von 18 Semesterwochenstunden Lehre und darüber hinausgehenden Gremienfunktionen für die Lehrenden wenig Zeit für (qualitative) Forschung. (Es sei denn, man löst dies in individualistischer Weise durch Konzentration auf ein Thema, bemüht sich um effektive Organisation etc. Aber das löst das Problem nicht wirklich.) Hinzu kommt, dass in einem komprimierten, sehr verschulten, sehr prüfungsorientierten und gleichzeitig sehr heterogenen Studium (vgl. auch SCHUMANN 1997, insbes. S.666) aufseiten der Studierenden wenig Zeit für qualitative Forschung bereitsteht; und es ist zu erwarten, dass sich in den kommenden Bachelor-Studiengängen diese Zeit vermindert. Bei den Studierenden überwiegt bisher als Studienmotivation der Wunsch, praktisch zu handeln und zu helfen, weswegen theorielastige oder technische Fächer nicht gewählt wurden (MAIER 1995, S.76ff.; EFFINGER & POPP 1 Der folgende Beitrag ist eine überarbeitete Version meines Vortrags während des Symposiums zur Lehre qualitativer Forschung im Rahmen des 2. Berliner Methodentreffens Qualitative Forschung am 15.7.2006. Irritierenderweise diskutierte außer Barbara DIERIS (s. auch DIERIS in diesem Band ), die sich auf ihre Erfahrungen als Studierende bezog, kein weiterer Vortrag qualitative Forschung als Regelangebot des (universitären) Studiums. Stattdessen war durchweg von kleinen Projekten mit ausgewählten Studierenden und hoher Motivation die Rede; die Lehre selbst wurde oft außerhalb des Deputatsrahmens oder nach der Emeritierung geleistet. Es ist gut nachvollziehbar, dass in solchen Kontexten intensiv gearbeitet werden kann, der geleistete Beitrag zum Gelingen der Lehre unter Normalbedingungen scheint mir jedoch sehr begrenzt. Hier soll der Fokus explizit auf das "Alltagsgeschäft" gerichtet werden, und Grenzen und Möglichkeiten der Lehre qualitativer Forschung an den Hochschulen sollen diskutiert werden, denen angewandte Forschung durch den Bologna-Prozess nochmals ausdrücklich als Aufgabengebiet zugewiesen wurde. © 2007 FQS http://www.qualitative-research.net/fqs/ Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research (ISSN 1438-5627) Volume 8, No. 1 Januar 2007 FORUM : QUALITATIVE SOZIALFORSCHUNG SOCIAL RESEARCH Keywords: Lehre qualitativer Forschung, Hochschuldidaktik, Soziale Arbeit, Sozialpädagogik