Skizzen zur Metaphernanalyse
Rudolf Schmitt
Zusammenfassung: Die kognitive Linguistik sensu LAKOFF und JOHNSON ermöglicht eine
Analyse der Alltagssprache und ihrer Verbindung zu kognitiven Konzepten und
Handlungsbegründungen. Ihre Grundkonzepte (metaphorisches Konzept, Schema-Begriff,
Homologie von Denken und Sprechen) werden kurz dargestellt. Sozialwissenschaftliche
Metaphernanalysen sind inzwischen auf unterschiedlichen Ebenen zu finden: kulturübergreifend,
kultur-, subgruppen- und individuumsspezifisch, Analyse von Interaktionen. Zwei verschiedene
methodische Ansätze für unterschiedliche Forschungsfragen werden skizziert.
Inhaltsverzeichnis
1. Noch eine Methode?
2. Sozialwissenschaftliche Relevanz
3. (Un-) Methodisches
4. Noch kein Fazit
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1. Noch eine Methode?
Sprache ist für fast alle qualitativen Forschungsverfahren Gegenstand und
Medium zugleich; sie wird vor allem als Material genutzt, das auf
außersprachliche Sachverhalte verweist: Beziehungsmuster, latente
Sinnstrukturen, kommunikative Strategien etc. Daß dabei sprachimmanente
Strukturen und deren Relevanz selten thematisiert werden, daß Diskussionen der
Sprachwissenschaften kaum rezipiert werden (Ausnahme:
Konversationsanalyse), mag an der arbeitsteiligen Spezialisierung des
Wissenschaftsbetriebs liegen. Insbesondere fehlen Theorien, die nach beiden
Seiten hin anschlußfähig sind. Eine solche formulieren LAKOFF und JOHNSON
(1980, siehe auch JOHNSON 1987, LAKOFF 1987) im Rahmen einer "kognitiven
Linguistik"; ihre Theorie der Metapher hat unterschiedliche Ansätze einer
Metaphernanalyse als qualitativem Forschungsverfahren inspiriert. [1]
LAKOFF und JOHNSON schlagen einen umfassenden Begriff der Metaphorik
vor, der es erlaubt, kognitive Handlungsstrategien zu rekonstruieren. Wir kennen
zum Beispiel das Bild, daß Probleme als Gewicht dargestellt werden, die einen
Menschen "bedrücken"
1
: So hat in einem Interview die Arbeitslosigkeit einen
Befragten "ganz schön belastet", oder wir finden diese Formulierung als Konzept
der Lebensauffassung: "Jeder hat sein Päckel zu tragen". Korrespondierende
Stimmungen werden als metaphorische Tiefe kodiert: "versacken", "am Boden
sein", "in ein Loch fallen". Dagegen werden positiv erlebte Stimmungen als
1 Interviewzitate siehe SCHMITT (1995, 1999b).
© 2000 FQS http://www.qualitative-research.net/fqs/
Forum Qualitative Sozialforschung / Forum: Qualitative Social Research (ISSN 1438-5627)
Volume 1, No. 1, Art. 20
Januar 2000
FORUM: QUALITATIVE
SOZIALFORSCHUNG
SOCIAL RESEARCH
Keywords:
metaphorische
Konzepte, Meta-
phernanalyse,
Alltagssprache,
qualitative
Forschung