1 Erkenntnisse, Verbindungen und Missverständnisse: Die Labour Process Theory im Dialog mit Diagnosen eines kognitiven Kapitalismus Paul Thompson & Kendra Briken, University of Strathclyde 1 Aus Perspektive der Arbeitssoziologie besteht notwendigerweise eine enge Verbindung zwischen Transformationen des Kapitalismus und Trends in der Arbeitsorganisation sowie von Beschäftigungsverhältnissen. Diese Verbindungen dürfen als zentrales Erbe der klassischen Soziologie von Durkheim, Marx und Weber gelten. Auch wenn die Postmoderne mit ihrer Betonung von Kultur, Sprache und Identität diese Zusammenhänge zu verwischen geneigt ist, bleiben sie in aktuellen Debatten doch weiter gegenwärtig. Der vorliegende Beitrag befasst sich in diesem Sinne mit capitalism at work. Eine unserer Beobachtungen ist, dass einige der einflussreicheren theoretischen Ansätze in diesem Feld mit teils sehr verkürzten oder ableitungstheoretischen Vorstellungen davon aufwarten, wie und auf welchen Bahnen sich kapitalistische Politökonomie und Arbeits- und Beschäftigungsbeziehungen begegnen. Wir fokussieren auf Ansätze zu Funktionsweisen des Kapitalismus, die sich explizit mit diesem Verhältnis befassen. Im ersten Schritt fassen wir in der gebotenen Kürze ein paar Kritiken zu allgemeineren Trends in der Theoriebildung zusammen, die die Arbeitssoziologie beeinflusst haben. Im Weiteren wenden wir uns dann der Darstellung und Kritik einer in den vergangenen Jahren zumindest im angelsächsischen wie auch im italienischen und französischen Raum einflussreichen Variante zu – der Theorie des kognitiven Kapitalismus (TkK). Unsere Kritik erfolgt aus der Perspektive der Labour 1 Dieser Beitrag basiert auf einem Vortrag von Paul Thompson, der im Rahmen der internationalen Konferenz ›Critical Sociology – Current Issues and Future Challenges‹ (23. bis 25. Juni 2014) an der Goethe Universität Frankfurt am Main gehalten wurde. Zur Veröffentlichung in diesem Heft wurde das Vortragsmanuskript überarbeitet und erweitert.