88 ISSN 1392–1517. KaLBoTYRa. 2008. 59 (3) „ZITATE“ IN SCHLAGZEILEN: EINE MEDIENLINGUISTISCHE UNTERSUCHUNG AM BEISPIEL ZWEIER DEUTSCHER REGIONALZEITUNGEN Klaus Geyer Lehrstuhl für Deutsche Philologie und Didaktik Pädagogische Universität Vilnius Studentų g. 39, LT-08106 Vilnius Tel.: +370 642 63767 E-Mail: klaus_geyer@gmx.net 1. Einleitung Zitate als besondere Form direkter Redewiedergabe werden im Allgemeinen als wortwörtliche Wiedergabe einer Sequenz aus einem schriftlichen oder mündlichen text verstanden, wobei die Herkunft der zitierten Sequenz eindeutig rekonstruierbar sein muss; Zitate sind somit in erster Linie intertextuelle Verweise. Formal gekennzeichnet werden Zitate im geschriebenen Deutsch durch doppelte Anführungszeichen. Im Mediendiskurs spielen Redewiedergaben generell und insbesondere als Zitat gekennzeichnete Sequenzen eine wichtige Rolle. Der vorliegende Beitrag analysiert Zitate in Schlagzeilen von Presseartikeln und ihre Relation zu den korrespondierenden Sequenzen im Fließtext, womit die intratextuelle Verweisqualität in den Vordergrund tritt. Ziel des vorliegenden Beitrags ist, die keineswegs ungewöhnliche und oftmals nicht unerhebliche Modifkationen solcher „Zitate“ gegenüber den im Fließtext gegebenen Formulierungen zu erfassen, sie in ihrer konkreten Ausgestaltung auf der Basis einer fünfstufgen Modifkationsskala einzuordnen und ihre Funktionen an ausgewählten Beispielen zu illustrieren. Die Untersuchung basiert auf einem umfangreichen Korpus von Artikeln aus den redaktionellen Teilen zweier regionaler abonnementzeitungen, die den am weitesten verbreiteten typ von tageszeitungen in Deutschland darstellen. 2. Schlagzeile Schlagzeile als Terminus ist zunächst abzugrenzen von den konkurrierenden Begriffen ‚Überschrift‘ und ‚titel‘. Im Folgenden soll Schlagzeile als ein typ von Überschrift verstanden werden, der Element genau eines massenmedialen Gesamttextes ist (vgl. Burger 2005: 114-116), während andere Überschriftentypen durchaus auch mehrere texte