ORIGINAL ARTICLES / ORIGINALIEN Schmitt et al.: Evaluation eines Fragebogens zur Diabetesakzeptanz 9 Diabetes, Stoffwechsel und Herz, Band 22, 1/2013 www.ds-herz.de A. Schmitt 1 , A. Gahr 1 , N. Hermanns 1 , B. Kulzer 1 , T. Haak 1 Der Acceptance and Action Diabetes Questionnaire in deutscher Fassung eignet sich für Wissenschaft und Klinik. Einleitung Die Annahme einer chronischen Krank- heit als Teil des eigenen Lebens und Inte- gration in das Selbstbild wird innerhalb verschiedener Modelle der Krankheits- bewältigung als Ziel des Bewältigungs- prozesses verstanden (1 – 3). Im Fall ei- nes Diabetes mellitus wird dieses Ziel häufig bezeichnet als „Diabetesakzep- tanz“, einem Krankheitserleben, unter dem „ein Mensch die körperlichen und psychischen Belastungen des Diabetes sowie dessen psychosoziale Auswirkun- gen in das eigene Leben integriert und in dem sich stetig wandelnden Prozess der Auseinandersetzung mit der Erkran- kung (…) seine Ressourcen aktiviert und positive Problemlösungen findet“ (4). Diabetesakzeptanz wird im Allgemei- nen als wichtige Voraussetzung für eine gelingende und effektive Selbstbehand- lung erachtet (5, 6). Bei schwerwiegen- den Akzeptanzproblemen wurde dage- gen eine dauerhafte Beeinträchtigung der Therapie beobachtet (7). Die gegen- wärtige Datenlage ist zwar insgesamt begrenzt, doch die bestehenden Befunde bekräftigen die Auffassung, dass Dia- betesakzeptanz ein therapierelevantes Merkmal ist: So fanden mehrere Studien einen Zusammenhang zwischen einer re- duzierten Diabetesakzeptanz und einer geringeren glykämischen Kontrolle (8, 9). Auch scheinen Patienten mit niedri- gerer Akzeptanz ihre Selbstbehandlung als schwieriger zu erleben (10). Dar- über hinaus ist eine reduzierte Akzep- tanz anscheinend mit einer geringeren gesundheitsbezogenen Lebensqualität assoziiert (10 – 12). In einer kontrollier- Evaluation der deutschen Fassung des Fragebogens AADQ zur Diabetesakzeptanz Zusammenfassung Einleitung: Eine angemessene Diabetesak- zeptanz ist Voraussetzung für eine effektive Diabetesbehandlung. Zur Erfassung der Ak- zeptanz wurde der Acceptance and Action Diabetes Questionnaire (AADQ) entwickelt. Die vorliegende Studie evaluiert die Testgü- te seiner deutschen Fassung. Methodik: Die Messeigenschaften des AADQ wurden an 310 Diabetespatienten untersucht. Die Validität wurde anhand von Korrelationen mit Krankheitsverarbeitung (FKV-15), Diabetesbelastung (PAID), Be- handlungszufriedenheit (DTSQ), Selbstbe- handlung (SDSCA), gesundheitsbezogener Lebensqualität (SF-36), depressiven Symp- tomen (ADS) und dem HbA 1c -Wert beurteilt. Ergebnisse: Die mittlere Itemtrennschärfe lag bei 0,53 und die mittlere Interitemkor- relation bei 0,34. Es wurde ein α von 0,85 und eine Split-half-Korrelation von 0,81 er- mittelt. Der AADQ-Summenwert korrelierte signifikant mit aktiver Krankheitsverarbei- tung (r = 0,35), Diabetesbelastung (r = -0,65), Behandlungszufriedenheit (r = 0,34), Selbst- behandlungsverhalten (Ernährung: r = 0,20; Blutzuckerselbstkontrolle: r = 0,26), HbA 1c - Wert (r = -0,21), Lebensqualität (mittleres r = 0,29) und Depressivität (r = -0,40). Schlussfolgerung: Mit dem AADQ liegt nun ein reliables, valides und ökonomi- sches Messinstrument zur Diabetesakzep- tanz in deutscher Sprache vor. Dieses kann für wissenschaftliche Analysen von Aspek- ten der Krankheitsverarbeitung wie auch zur Identifikation von Patienten mit Akzep- tanzproblemen in der klinischen Praxis von Nutzen sein. Schlüsselwörter Diabetesakzeptanz, Selbstbehand- lungsverhalten, Adhärenz, Vermeidung, Fragebogeninventar Summary Background: Effective diabetes self-care requires acceptance of the condition, and the Acceptance and Action Diabetes Ques- tionnaire (AADQ) was designed to measure diabetes acceptance. This study evaluates the questionnaire in its German version. Methods: We assessed three hundred and ten diabetic inpatients using the German AADQ and questionnaires on coping (FKV-15), diabetes-related distress (PAID), treatment satisfaction (DTSQ), self-care (SDSCA), health-related quality of life (SF-36), and depressive symptoms (CES-D); we also collected their current HbA 1c values. We evaluated the test by item and reliability analysis, and estimating conver- gent validity. Results: Mean item-total correlation was 0.53; mean inter-item correlation was 0.34. The α-coefficient was 0.85; split-half cor- relation was 0.81. The AADQ sum score showed a significant correlation to active coping (r = 0.35), diabetes-related distress (r = -0.65), treatment satisfaction (r = 0.34), self-care behaviour (diet: r = 0.20, blood glucose self-monitoring: r = 0.26), HbA 1c (r = -0.21), health-related quality of life (mean r = 0.29), and depressive symptoms (r = -0.40). Conclusion: The German version of the AADQ is a reliable, valid and efficient instrument in measuring diabetes ac- ceptance, and may be useful when scien- tifically analysing diabetes-related coping processes or identifying non-acceptance in individual diabetic patients. Key words diabetes acceptance, self-management, adherence, avoidance, questionnaire A. Schmitt Evaluation of the AADQ (German Version) in Measuring Diabetes Acceptance Diabetes Stoffw Herz 2013; 22: 9 – 15 1) Forschungsinstitut der Diabetes-Akademie Bad Mer- gentheim; Diabetes Zentrum Mergentheim