Lernziele für die Kompetenzentwicklung auf höheren Taxonomiestufen Veronika Thurner, Axel Böttcher, Kathrin Schlierkamp, Daniela Zehetmeier Fakultät für Informatik und Mathematik, Hochschule München <vorname>.<nachname>@hm.edu Zusammenfassung Nach unserer eigenen Lehrerfahrung ebenso wie der von zahlreichen Kolleginnen und Kollegen fällt es vie- len Studierenden in MINT-Fächern schwer, höhere Kompetenzebenen gemäß der überarbeiteten Lern- zieltaxonomie von Bloom (Anderson u. a., 2001) zu erreichen. Als Grundlage für die Konzeption von Lehr- /Lernmethoden, die für die Entwicklung dieser höhe- ren Kompetenzebenen förderlich sind, definieren wir detaillierte Lernziele für die entsprechenden fachli- chen Kompetenzen. Diese ergänzen wir um Lernziel- definitionen für diejenigen Schlüsselkompetenzen, die eine essenzielle Voraussetzung dafür sind, dass diese fachlichen Kompetenzen auf der gewünschten Stufe überhaupt entwickelt werden können. Motivation Heutzutage müssen gute Softwerker mit anspruchsvol- len Jobs in der Lage sein, in einem komplexen Umfeld und unterschiedlichsten Kontexten sicher zu agieren. Dafür müssen Sie sowohl über eine Fülle von nicht- fachlichen Kompetenzen verfügen als auch fachlich hochqualifiziert sein (Böttcher u. a., 2011). Um diesen fachlichen Anforderungen gerecht zu werden, müssen die Studierenden hochwertige kog- nitive Fähigkeiten entwickeln, die weit darüber hin- aus gehen, einfach nur irgendwelches Wissen aus- wendig zu lernen und in der Prüfung wiederzuge- ben (Schaper u. a., 2012) (Bulimie-Lernen). Diese hö- heren Kompetenzebenen werden jedoch nicht ganz von alleine erreicht, sondern erfordern geeignete Lehr- /Lernansätze, die die angestrebten Kompetenzebenen gezielt entwickeln. Grundlage für die Konzeption solcher Lehrmetho- den ist die detaillierte Definition von entsprechenden Lernzielen, die genau beschreiben, was denn eigent- lich eine bestimmte Fähigkeit auf einer bestimmten Kompetenzebene ausmacht. Diese muss insbesondere die fachlichen Fähigkeiten definieren, die die Studie- renden entwickeln sollen. Beim Definieren der angestrebten fachlichen Kom- petenzen und aus den Erfahrungen unseres Lehrall- tages wurde deutlich, dass zwischen den fachlichen und den nicht-fachlichen Kompetenzen gewisse Ab- hängigkeiten bestehen. Insbesondere beobachten wir, dass ausgewählte Schlüsselkompetenzen wie z. B. das abstrakte Denken oder die Fähigkeit zur Selbstreflexi- on mit einem gewissen Reifegrad in den Studierenden ausgebildet sein müssen, bevor sie hochwertige fachli- che Kompetenzen überhaupt entwickeln können. Nicht alle Studierenden bringen jedoch diese er- forderlichen Schlüsselkompetenzen in ausreichendem Maße mit, sondern müssen diese erst im Laufe ihres Studiums entwickeln. Daher ist es notwendig und sinn- voll, für ausgewählte Schlüsselkompetenzen ebenfalls Lernziele auf den verschiedenen Kompetenzebenen zu definieren, um greifbar zu machen, welche Fähigkei- ten hier konkret erwartet werden bzw. zu entwickeln sind. Zielsetzung Um unsere Studierenden angemessen auf ihr späte- res Arbeitsleben vorzubereiten, streben wir an, ihre fachlichen Kompetenzen bis hin zu den hochwertigen kognitiven Ebenen zu entwickeln. Dazu definieren wir für die Pflichtveranstaltungen „Softwareentwicklung 1 und 2“ aus dem ersten und zweiten Fachsemester der Studiengänge Bachelor Informatik und Bachelor Wirt- schaftsinformatik fachliche Lernziele auf unterschied- lich anspruchsvollen Kompetenzebenen. Des Weiteren definieren wir Lernziele für ausgewähl- te Schlüsselkompetenzen, die für die Entwicklung der höherwertigen fachlichen Lernziele essenziell erfor- derlich sind. Diese Lernziele sind die Grundlage für die Konzeption von Lehrmethoden und Interventio- nen, die den Auf- und Ausbau dieser zentralen Schlüs- selkompetenzen in den Studierenden gezielt fördern. State of the Art Orientiert an (Schott u. Ghanbari, 2009) verstehen wir unter Kompetenzen diejenigen Eigenschaften und Fähigkeiten, die erforderlich sind, um eine bestimmte Menge und Art von Aufgaben sinnvoll ausführen zu können. Dabei kategorisieren wir Kompetenzen in 9 Axel Schmolitzky, Anna Sabine Hauptmann (Hrsg.): SEUH 2015