Durch die Verpflichtung Österreichs im Zuge der Kyoto-Ziele seine
Treibhausgasemissionen um 13 % gegenüber dem Basisjahr 1990
zu verringern, entstanden sowohl Klimaschutzprogramme der
Bundesregierung als auch der Länder. Die Programme beinhalten
verschiedene Maßnahmen um den Ausstoß schädlicher Treibhaus-
gase, allen voran CO
2
, zu minimieren. Ein Schwerpunkt wurde da-
bei dem Sektor Wohnen und Bauen zugesprochen, da hier sehr
viel Potential vorhanden ist. Denn thermisch-energetische Sanie-
rungsmaßnahmen haben nicht nur einen positiven Einfluss auf
die Energiekennzahl eines Gebäudes, sondern auch auf die Heiz-
kosten, den CO
2
-Ausstoss und das Raumklima. Im Zuge dieser
Arbeit wurden verschiedene Untersuchungen angestellt, um die
bautechnisch-bauphysikalische Zweckmäßigkeit thermischer
Sanierungen zu überprüfen. Neben der Auswertung vorhandener
Daten wurden auch eigene Untersuchungen durchgeführt. Die
Frage nach der Wirtschaftlichkeit einer Dämmung sowie der
Amortisationszeit wurde ebenso behandelt wie der Einfluss der
Dämmstoffdicke auf den Heizwärmebedarf oder mögliche CO
2
-
Einsparpotentiale.
Study on the efficiency of thermal refurbishment of residential
buildings in Vienna. In the framework of the Kyoto Protocol Austria
has committed to reduce its greenhouse gas emissions until
2008/2012 by 13 % on the base of 1990. Therefore the Federal
Government as well as the provincial governments have imple-
mented programs for the protection of climate including several
measures to reduce the emission of hazardous greenhouse gases
mainly CO
2
. Regarding the enormous potential reduction activities
were mainly focused on residential buildings. The refurbishment
of the building envelope reduces the heating costs as well as the
carbon dioxide emissions and improves the indoor climate. Several
investigations were taken to check the utility of thermal refurbish-
ment under structural and physical conditions. Plenty of data
available in the line of several expertises of existing residential
buildings were analysed and completed by additional investiga-
tions. The economic efficiency of thermal insulations is pointed
out as well as the period of repayment or the influence of the
thickness of insulation on the heating energy demand or possible
CO
2
-reductions.
1 Einleitung
1.1 Anlass und Hintergrund
Seit der Klimaschutzkonvention des Erdgipfels von Rio de
Janeiro 1992 und der UN-Klimaschutzkonferenz in Kyoto
(Japan) 1997 streben die Unterzeichnerstaaten danach, ihre
Treibhausgas-Emissionen bis zur Commitment-Periode
2008/2012 zu reduzieren. Eine Reduktion der Schadstoffe
um 8 % im EU-Schnitt gegenüber dem Basisjahr 1990 ist
verpflichtend. Da in den Mitgliedsstaaten zum Teil sehr
unterschiedliche Voraussetzungen für eine Reduktion von
Emissionen bestehen, wurde das Reduktionsziel der EU
auf die Mitgliedsstaaten unterschiedlich aufgeteilt.
In Österreich besitzen sowohl der Bund als auch die
Länder Handlungsmöglichkeiten. So entstanden diverse
Klimaschutzprogramme, um das ehrgeizige Ziel Österreichs
einer 13 %igen Reduktion auch umsetzen zu können. In
Wien existiert neben dem Klip (Klimaschutzprogramm der
Stadt Wien) auch ein Förderprogramm der Stadt Wien, die
so genannte Thermisch-Energetische Wohnhaussanierung
(THEWOSAN), welches seit dem Jahr 2000 die thermisch-
energetische Sanierung städtischer Wohnhäuser, allen
voran Gebäude aus derZeit zwischen 1945 und 1980, finan-
ziell unterstützt. Ziel des Förderprogramms THEWOSAN
ist es, durch Reduktion der Luftschadstoffe und des CO
2
-
Ausstoßes zu einerVerbesserung der Umweltsituation bei-
zutragen. Die finanziell geförderten Maßnahmen umfas-
sen bauliche und energetische Sanierungen, die zu einer
Verringerung des Heizwärmebedarfs führen sollen. Im
Zentrum der Sanierungen steht dabei die Dämmung der
gesamten Gebäudehülle.
1.2 Allgemeine Vorbemerkungen zum Sanierungsbedarf
im österreichischen Wohnbestand
Jedes Gebäude altert – das eine schneller, das andere lang-
samer. Die Bauweise beeinflusst den Alterungsprozess nicht
unerheblich, auch die Reparaturfähigkeit von Bauteilen ist
von den gewählten Baustoffen und der konstruktiven
Durchbildung abhängig. In jüngster Zeit gewinnt im Zu-
sammenhang mit Lebenszyklusanalysen (LCA – Life Cycle
Analyses) die Lebensdauer von Baustoffen und Bauteilen
zunehmend an Bedeutung, ebenso auch der Instandhal-
tungsaufwand. In den 1960er und 1970er Jahren stand auf
Grund des dringenden Wohnraumbedarfs nach den Zer-
störungen des zweiten Weltkriegs eine rasche Bedürfnis-
befriedigung im Vordergrund, der langfristige Nutzen trat
demgegenüber in den Hintergrund. Dies mag einer der
Gründe sein, warum gerade in dieser Zeit ein Tiefpunkt
„technologischer Baukultur“ erreicht wurde. Zahlreiche Ge-
bäude haben nach 40 oder 50 Jahren ihre technische Ab-
bruchreife erreicht.
Bautechnisch-bauphysikalische Beurteilung der
Wirksamkeit energetischer Sanierungen am Beispiel
städtischer Wohnhausanlagen in Wien
Julia Maydl
Azra Korjenic
Jürgen Dreyer
DOI: 10.1002/bapi.200710037
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Fachthemen
© Ernst & Sohn Verlag für Architektur und technische Wissenschaften GmbH & Co. KG, Berlin · Bauphysik 29 (2007), Heft 4