Schwerpunkt 205 psycho 28 (2002) Nr. 5 Neues zu Clusterkopf- schmerzen und trigemino-autonomen Kopfschmerzsyndromen Arne May & Volker Busch Neurologische Universitätsklinik Regensburg psycho 28 (2002) •••–••• M igräne und Spannungskopf- schmerzen stellen mit 20–50% der Bevölkerung die größte Gruppe der primären Kopf- schmerzen dar. Während man auf Grund der wissenschaftlichen An- strengung bei der Migräne in den letzten 20 Jahren große Fortschritte im pathophysiologischen Verständ- nis und in der Therapie erreicht hat (4), gilt dies nicht für die selteneren Kopfschmerzsyndrome. Zu diesen gehört die kürzlich neu definierte Gruppe der trigemino-autonomen Kopfschmerzen (3). Alle Kopf- schmerzsyndrome dieser Gruppe haben zwei Dinge gemeinsam: die meist kurzdauernden Schmerz- attacken und die fakultativ vorhan- denen autonomen Begleitsymptome (5). Die autonomen Begleitsymp- tome entsprechen dabei in der Regel einer Überaktivierung des para- sympathischen Systems wie Lakri- mation, konjunktivale Injektion, Rhinorrhö, nasale Kongestion und Lidschwellung. Interessanterweise treten diese streng ipsilateral zum Schmerz auf (16). Nach dem aktuellen Wissens- stand werden der episodische und chronische Clusterkopfschmerz, die episodisch und chronische paroxys- male Hemicranie, die Hemicrania continua und das SUNCT-Syndrom (short-lasting unilateral neuralgi- form headache with conjunctival in- jection and tearing) unter dem Be- griff trigemino-autonome Kopf- schmerzen (TAK’s) zusammenge- fasst. Sie unterscheiden sich in Dauer, Frequenz, Rhythmik und In- tensität der Schmerzattacken, auto- nome Begleitsymptome treten mehr oder weniger stark ausgeprägt auf (5). Die pathophysiolgischen Zusam- menhänge werden derzeit intensiv untersucht (13). Clusterkopfschmerz Der Clusterkopfschmerz gilt als der schmerzhafteste unter den primären Kopfschmerzformen; er wurde erstmalig von Horton 1939 (8) beschrieben. Nach den Kriterien der Internationalen Kopfschmerzge- sellschaft (IHS) müssen zur Diag- nose mindestens fünf Attacken eines schweren einseitigen, orbitalen, su- praorbitalen und oder temporalen Schmerzes von unbehandelt 15–180 min Dauer vorgelegen haben, der von mindestens einem der folgen- den Symptome auf der Schmerzseite begleitet ist: Konjunktivale Injek- tion, Lakrimation, nasale Konges- tion, Rhinorrhö, Schwitzen am Kopf und Gesicht, Miosis, Ptose, Lidödem (7). Die Attacken treten in einer Häu- figkeit von 1–8 Attacken täglich auf (16). Die Schmerzintensität erreicht auf der visuellen Analogskala VAS von 0–10 (0=kein Schmerz; 10=schlimmster nur vorstellbarer Schmerz) in der Regel VAS 9–10. Während der Attacke zeigen die Pa- tienten im Gegensatz zur Migräne die typische motorische Unruhe, die in der angelsächsischen Literatur als „pacing around“ oder „rocking“ be- zeichnet wird (2). Bei der überwiegend vorkom- menden episodischen Form des CK (80%) werden die symptomatischen Episoden (bout), die wenige Wochen bis Monate dauern, von symptom- Eine Gruppe kurzdauernder Kopfschmerzsyndrome, zu denen der Clusterkopfschmerz, die par- oxysmale Hemicranie, die Hemicrania continua und das SUNCT-Syndrom gehören, werden un- ter dem Begriff trigemino-autonome Kopfschmerzen (TAK’s) zusammengefasst. Sie unter- scheiden sich in Dauer, Frequenz, Rhythmik und Intensität der Schmerzattacken. Allen gemein- sam sind autonome Begleitsymptome streng ipsilateral zum Schmerz, die im Sinne einer Über- aktivierung des parasympathischen Systems wie Lakrimation, konjunktivale Injektion, Rhi- norrhö, nasaler Kongestion und Lidschwellung imponieren. Grundsätzlich unterteilt sich die Therapie, ähnlich wie die der Migräne, in eine Akuttherapie und eine medikamentöse Prophy- laxe. Bis auf den Clusterkopfschmerz sprechen viele der trigemino-autonomen Kopfschmerz- syndrome auf Indomethacin an, sodass ein probatorischer Versuch gerechtfertigt ist. Arne May