FORSCHUNG AKTUELL
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Atypische Beschäftigungsverhältnisse
im öffentlichen Dienst
Atypische Beschäfigungsverhältnisse breiten sich in weiten Teilen der Wirtschaf aus, vor
allem in einigen Dienstleistungsbereichen. Für die Beschäfigten sind sie mit wesentlich
höheren Prekaritätsrisiken verbunden als Normalarbeitsverhältnisse. Inwieweit hat diese
Entwicklung auch den öfentlichen Dienst erfasst? Oder stellt er noch ein Bollwerk
gegen diesen Trend dar? Diesen Fragen geht der nachfolgende Beitrag nach.
BERNDT KELLER, HARTMUT SEIFERT
1. Problemstellung
Der Arbeitsmarkt des öfentlichen Dienstes (ÖD) ist nur
selten Gegenstand wissenschaflicher Analysen.
1
Diese Tat-
sache ist aus mehreren Gründen erstaunlich: Zum einen ist
er quantitativ von erheblicher Bedeutung. Die Gebietskör-
perschafen (Bund, Länder, Gemeinden/Gv.) sind mit ca.
4,6 Mio. Arbeitnehmern (ca. 13 % der abhängig Beschäf-
tigten) nach wie vor der größte Arbeitgeber. Zum anderen
sind die Regelungs- und Steuerungsmechanismen andere
als in der Privatwirtschaf, u. a. wegen des traditionellen
Dualismus von öfentlich-rechtlichem Dienstverhältnis der
Beamten und privat-rechtlichem Arbeitnehmerstatus der
Tarifeschäfigten sowie weiterer institutioneller Vorgaben
(u. a. Beamtengesetze, Rechtsverordnungen, Personalver-
tretungsgesetze des Bundes und der Länder) (Keller/Hen-
neberger 1999).
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Insofern könnte man vermuten, dass dieser Arbeits-
markt primär Normalarbeitsverhältnisse (NAV) bietet, also
Beschäfigungsverhältnisse, die mit unbefristeter Vollzeit-
tätigkeit ein Subsistenz sicherndes Einkommen gewährleis-
ten und in die sozialen Sicherungssysteme integriert sind.
Öfentliche Arbeitgeber gelten (immer noch weithin) als
„Modellarbeitgeber“, die von den in der Privatwirtschaf
üblichen und zum Teil umfangreichen Flexibilisierungs-
strategien keinen oder weniger Gebrauch machen. Kurso-
rische Evidenz zeigt jedoch, dass diese Annahme nicht –
oder zumindest nicht mehr und nicht durchgängig – zutrif.
Atypische Beschäfigungsverhältnisse fnden sich auch im
ÖD (Czerwick 2010; Keller 2010).
Die in den vergangenen Jahren durchgeführten For-
schungsarbeiten über Formen und Folgeprobleme atypi-
scher Beschäfigungsverhältnisse (zusammenfassend Kel-
ler/Seifert 2013) haben genauere Informationen über
Entwicklung, Umfang, Verteilung und Strukturmerkmale
geliefert – allerdings nur bezogen auf die Gesamtwirtschaf,
nicht aber für den ÖD. Diese Wissenslücke ist Hintergrund
und Anlass der folgenden Analyse. Im ersten Schritt lösen
wir die statistische Sammelkategorie „atypische Beschäfi-
gungsverhältnisse“ auf und unterscheiden, wie in der ak-
tuellen Forschung üblich, zwischen Teilzeit, Mini- und
Midijobs, Befristung und Leiharbeit (Abschnitt 2). Im zwei-
1 Die wenigen umfassenden Analysen (Brandes/Buttler
1990; Warsewa et al. 1996; Henneberger 1997) sind älteren
Datums und daher mit Blick auf die referierten Daten nicht
mehr aktuell.
2 Die traditionellen Unterschiede zwischen Arbeitern und
Angestellten wurden durch den 2005 für Bund und Kom-
munen in Kraft getretenen Tarifvertrag für den öffentlichen
Dienst (TVöD) abgeschafft. Die Länder vollzogen in ihrem
eigenständigen, 2006 geschlossenen Tarifvertrag für den
öffentlichen Dienst der Länder (TV-L) diese Änderung
nach.
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https://doi.org/10.5771/0342-300X-2014-8-628
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