G ünter Burkard Die Lehre des Ptahhotep Die Lehre des Ptahhotep ist bislang durch drei Papyri, eine Holztafel und neuer dings auch drei Ostraka belegt. Umfang und Erhaltungszustand dieser Handschrif ten variieren allerdings beträchtlich: 1. Papyrus Prisse: Dieser Papyrus enthält den vollständigen Text der Lehre und bietet gleichzeitig textgeschichtlich die beste Version. Er wird heute unter den Nummern 183194 in der Bibliotheque Nationale in Paris aufbewahrt. Seine Gesamtlänge beträgt 7,05 m, seine Höhe 14,5 bis 15 cm. Für die Konservierung wurde er in zwölf Tafeln unterteilt. Außer der Lehre des Ptahhotep enthält er noch in zwei Kolumnen den Schluß der Lehre für Kagemni. Der Text der Lehre des Ptahhotep umfaßt 19 Kolumnen sehr unterschiedlicher Breite, die von 17 bis 59 cm variieren kann. Die Zeilenzahl der Kolumnen schwankt zwischen 11 und 14 Zei len. Die Handschrift wurde von Prisse d'Avennes Ende der 1. Hälfte des i9.Jh.s in der thebanischen Nekropole angekauft; vermutlich wurde sie dort auch gefunden. Die Datierung des Papyrus ist nicht unumstritten; vermutlich dürfte er aber der späten 11. oder der frühen 12. Dynastie (ca. 1990 v.Chr.) zuzurechnen sein: In diese Zeit etwa fällt im Hieratischen der Ubergang von senkrechter zu waagrechter Schriftrichtung, und der P. Prisse ist, wie eindeutige Indizien zeigen, eine von einer senkrecht geschriebenen Vorlage ins Waagrechte übertragene Kopie. 2. P. British Museum 10371 und 10435: sehr fragmentarischer Text unbekannter Herkunft. Obwohl noch in senkrechten Zeilen geschrieben, sicher jünger als P. Prisse und auch textgeschichtlich (wie die übrigen noch zu benennenden Hand schriften) eine gegenüber P. Prisse spätere, überarbeitete Version enthaltend. 3. P. British Museum 10509, der gut die Hälfte des Textes erhalten hat: Fünf Kolumnen sind großenteils komplett, der Beginn einer sechsten ist erhalten. Zusätz liche Fragmente dieser Handschrift hat inzwischen Caminos veröffentlicht; s. das Literaturverzeichnis. Die Handschrift ist wohl in die 18. Dynastie (ca. 15 501305 v.Chr.) zu datieren; sie wurde um 1900 in Theben erworben. 4. Das Carnarvon Tablet I (Museum Cairo Nr. 41790), das den Anfang der Lehre enthält; die mit Stuck überzogene und dann beschriftete Holztafel wurde 1908 von Lord Carnarvon in Dra Abu el Naga in der thebanischen Nekropole gefunden. Sie ist in das Ende der 17. oder den Anfang der 18. Dynastie (ca. 1554 v. Chr.) zu datieren. 5. Drei Ostraka aus Deir el Medine (O. DeM 12321234), die jeweils nur Bruch stücke der einleitenden Rahmenerzählung bzw. der Titulatur des Ptahhotep enthal ten. Sie sind in die Ramessidenzeit (ca. 13051196 v.Chr.) zu datieren. Textveröffentlichungen: E.A. Wallis Budge: Facsimiles of Egyptian Hieratic Papyri, London 1910, pl. XXXIVXXXVIII; E. Devaud: Les maximes de Ptahho tep, Fribourg 1916; G. Jequier: Le Papyrus Prisse et ses variantes, Paris 1911; R. A. Caminos: Literary Fragments in the Hieratic Script, Oxford 1956, S. 52L und Tf. 2830. 195 Originalveröffentlichung in: Texte aus der Umwelt des Alten Testaments, Band III, Lieferung 2, Gütersloh 1991, S. 195-221