Der Anaesthesist 2•2002
|
123
Zusammenfassung
Die Tracheostomie ist einer der ältesten
operativen Eingriffe.Während sie früher bei
Stenosen der oberen Atemwege angewandt
wurde, liegt ihre Hauptindikation aus chirur-
gischer Sicht heute bei langzeitbeatmeten
Intensivpatienten. Ziele sind hier die Vermei-
dung von Kehlkopfschäden, eine raschere
Entwöhnung von der Ventilation und die
Verbesserung der Pflege.Neben der konven-
tionellen Operationsmethode werden in den
letzten 10 Jahren zunehmend Punktionsver-
fahren der Tracheostomie eingesetzt.Mit
diesen Methoden werden in Deutschland
jährlich bereits über 20.000 Intensivpatien-
ten behandelt.Diesen neuen Techniken ist
die initiale Punktion der Trachea mit nachfol-
gender Dilatation des Punktionskanals ge-
meinsam. Aktuelle Metaanalysen prospektiv-
randomisierter Studien belegen die geringe-
re Komplikationsrate der neuen Methoden
im Vergleich zu konventionellen Verfahren.
Auch im Langzeitverlauf sind Spätfolgen, wie
z. B.Trachealstenosen, selten. Dennoch hat
auch die konventionelle operative Tracheo-
stomie ihren Stellenwert, insbesondere wenn
Kontraindikationen für die neuen Methoden
vorliegen.
Schlüsselwörter
Tracheostomie · Indikation · Kontraindikation ·
Operative Technik · Komplikation
Die Tracheostomie zählt zu den älte-
sten chirurgischen Eingriffen. Ihre Ge-
schichte beginnt vor über 2000 Jahren.
Asklepiades von Bythynien aus Rom
(um 100 v.Chr.) soll der Erstbeschreiber
dieser Operation sein. Klinische Rele-
vanz erlangte die Tracheostomie erst-
mals im 19. Jahrhundert. Hier diente sie
v. a. zur Behandlung der Diphtherie [15].
Heute wird die Tracheostomie in
der Intensivmedizin und in der Hals-Na-
sen-Ohren-Heilkunde angewandt. HNO-
Ärzte tracheostomieren ihre Patienten
vornehmlich wegen Stenosen der obe-
ren Atemwege. Die Tracheostomie soll
die Atmung auf Dauer ermöglichen. In-
tensivmediziner und Chirurgen hinge-
gen wenden die Tracheostomie in der
Regel bei kritisch kranken Patienten an,
um vorübergehend die Beatmung zu er-
leichtern und die Spätfolgen einer trans-
laryngealen Intubation zu vermeiden.
Insofern unterscheiden sich beiden Pati-
entengruppen grundlegend; dies betrifft
nicht nur die Indikationsstellung son-
dern heute auch in zunehmendem Maße
die Operationstechnik. Im Rahmen die-
ses Beitrags soll ganz überwiegend auf
die Tracheostomie in der Intensivmedi-
zin eingegangen werden.
Operationsverfahren
Neben der klassischen konventionellen
(plastischen) Tracheostomie [7, 49] ste-
hen heute verschiedene moderne Punk-
tionsmethoden zur Verfügung (Tabel-
le 1). Diese gehen auf Beschreibungen
von Ciaglia [16, 74], Griggs [35] und Fan-
toni [25, 78] sowie zu allerletzt auf Frova
Intensivmedizin
Anaesthesist
2002 · 51:123–133 © Springer-Verlag 2002
M. K. Walz · Klinik für Chirurgie und Zentrum für Minimal Invasive Chirurgie,
Kliniken Essen-Mitte/Evangelische Huyssens-Stiftung, Essen
Die Tracheostomie
Indikationen, Methoden, Risiken
Erstpublikation in Der Chirurg (2001)
72:1101–1110
Im Rahmen dieses Beitrags wird nicht zwischen
„Tracheotomie“und „Tracheostomie“unterschie-
den. Im Hinblick auf die modernen Verfahren,
die keine Tracheotomien sind,wird einheitlich
der Begriff „Tracheostomie“verwendet.
Priv.-Doz. Dr. M.K.Walz
Klinik für Chirurgie und Zentrum
für Minimal Invasive Chirurgie, Kliniken
Essen-Mitte/Evangelische Huyssens-Stiftung,
Henricistraße 92, 45136 Essen
E-Mail: mkwalz@kliniken-essen-mitte.de
Redaktion
R. Kuhlen, Aachen
K.E. Unertl, Tübingen
Abb. 1 Entwicklung der modernen
Tracheostomiemethoden in Deutsch-
land 1990–2000. (Quelle:Cook Deutsch-
land, Mönchengladbach; Mallinckrodt
Medical, Hennef; SIMS Medic Esch-
mann, Kirchseeon; Rüsch, Kernen)