Japan’s Double Bind: ‘Civilised’ Punishment in Colonial Taiwan Nadin Heé RESÜMEE Der Beitrag geht davon aus, dass eine sowohl gegen innen (die japanische Gesellschaft) als auch gegen außen (die Kolonie Taiwan) gerichtete Zivilisierungsmission die Strafrechtsre- formen in Meiji-Japan und die Bestrafungen in der Kolonie Taiwan prägte. Als Teil von Selbst- zivilisierungsbestrebungen erneuerte Japan sein Strafrecht erst nach chinesischem und dann nach europäischem Vorbild, um den ‚Westen’ von der eigenen ‚Zivilisiertheit’ zu überzeugen. Nach der Annektierung Taiwans standen die japanischen Politiker vor dem Dilemma, ein nicht- westliches und benevolenteres asiatisches Imperium schafen zu wollen, sich aber trotzdem auf europäische Modelle zu beziehen. Die Untersuchung der Prügelstrafe in Taiwan zeigt, wie sich im Diskurs um die‚Zivilisierung’der Taiwanesen die Konnotationen der chinesischen Rechts- praktiken von ‚zivilisiert’ zu ‚barbarisch’ verkehrten und welche Konsequenzen dies für die kolo- niale Herrschaftspraxis hatte. After the coerced opening of Japan through American gunboats in 1853, 1 several unequal treaties between the Tokugawa Regime, the United States, and some European powers, respectively, were negotiated in the 1850s. 2 In order to revise these treaties some years later, after the Meiji Revolution in 1868 and in the course of eforts to establish a nation state after a ‘Western’ model, the Japanese government enforced so-called “civilisation For a detailed description on the coerced opening by Commodore Perry, see for example: G. Feifer, Breaking Open Japan: Commodore Perry, Lord Abe, and American Imperialism in 85, New York 2006. 2 M. R. Auslin, Negotiating with Imperialism: The Unequal Treaties and the Culture of Japanese Diplomacy, Cam- bridge (Mass.) 2006. Comparativ | Zeitschrift für Globalgeschichte und vergleichende Gesellschaftsforschung 19 (2009) Heft 1, S. 71–87.