Organokatalyse DOI: 10.1002/ange.201207775 Der Mechanismus der Diphenylprolinolsilylether- katalysierten Michael-Addition: nach wie vor umstritten** Christina Moberg* Stichwçrter: Enantioselektivität · Michael-Addition · Organokatalyse · Reaktionsmechanismen · Reaktive Zwischenstufen Die stereoselektive konjugierte Addition von chiralen En- aminen an prochirale Nitroalkene zur Herstellung von g-Ni- trocarbonyl-Derivaten ist als wirksames Verfahren zur Bil- dung von Kohlenstoff-Kohlenstoff-Bindungen weitgehend anerkannt. Die Entdeckung, dass das Enamin aus der Car- bonylverbindung und einer katalytischen Menge eines chi- ralen Amins in situ erzeugt werden kann, [1] veranlasste meh- rere Forschungsgruppen zur Suche nach wirksamen Amin- katalysatoren. Unter den Katalysatoren, die für die Reaktion eingesetzt wurden, erwies sich das silylierte Prolinol 1, das von Hayashi und Mitarbeitern vorgestellt wurde, als beson- ders wirksam. [2] Die in Schema 1 dargestellte Reaktion zeigt bezüglich der beiden Reaktionspartner eine hohe Seitense- lektivität, deshalb kçnnen unter Verwendung einer Vielzahl von Substraten zwei benachbarte stereogene Zentren hoch enantio- und diastereoselektiv aufgebaut werden. Ihre viel- fältigen Einsatzmçglichkeiten in der Synthese wurden in Reaktionskaskaden demonstriert, die zu komplexen biolo- gisch aktiven Verbindungen führten. [3] Diese Michael-Addi- tion dient auch als Maßstab für die Beurteilung neuer Kata- lysatoren. Obwohl dieses katalytische Verfahren auf großes Inter- esse gestoßen ist und umfangreiche experimentelle Untersu- chungen ausgelçst hat, wurde detaillierten mechanistischen Studien bis vor kurzem nur begrenzte Beachtung geschenkt. Das mag überraschen angesichts der frühen bahnbrechenden Arbeiten zu entsprechenden stçchiometrischen diastereose- lektiven [4] und enantioselektiven [5] Michael-Additionen von Seebach und Mitarbeitern, bei denen die wesentlichen Merkmale des Verfahrens ermittelt wurden. Neuere Unter- suchungen von Seebach, Hayashi und Mitarbeitern [6] sowie von Blackmond und Mitarbeitern [7] haben Aufschluss über den Mechanismus des katalytischen Verfahrens gegeben, aber auch zu einer Kontroverse über die Rolle der beobach- teten Zwischenstufen geführt. Kinetische Untersuchungen und die Charakterisierung der Zwischenstufen haben gezeigt, dass die Reaktion kom- plizierter ist als früher angenommen. Spezies, die als Zwi- schenstufen in der stçchiometrischen Reaktion festgestellt wurden, wurden jetzt auch im katalytischen Verfahren nach- gewiesen. Im ersten Teil der Reaktion wird das Cyclobutan- derivat 2 (Schema 2) schnell gebildet, wie die Reaktionska- Schema 1. Organokatalysierte konjugierte Addition eines Aldehyds an ein Nitroalken. TMS = Trimethylsilyl. Schema 2. Vorgeschlagener Mechanismus für die Addition eines Alde- hyds an ein Nitroalken, die durch Diphenylprolinoltrimethylsilylether katalysiert wird. [*] Prof. C. Moberg Department of Chemistry, Organic Chemistry Royal Institute of Technology, 10044 Stockholm (Schweden) E-Mail: kimo@kth.se [**] Ich danke dem Swedish Research Council für finanzielle Unter- stützung. . Angewandte Highlights 2214  2013 Wiley-VCH Verlag GmbH & Co. KGaA, Weinheim Angew. Chem. 2013, 125, 2214 – 2216