Theoretische Grundlage: Machtanalytik Michel Foucaults 63 sich selbst machen? Welche Arbeit soll man an sich verrichten? Wie soll man sich mittels Handlungen ›regieren (se gouverner )‹, bei denen man selbst das Ziel, der Anwendungsbereich, das verwendete Instrument und das handelnde Subjekt ist?« (Foucault [1981] 2016: 377f [Herv. i.O.]) Für Foucault besteht darin die »Verehrung oder der Kult, die man sich selbst gegenüber schuldig ist« (Foucault 1982 in Gros 2009: 660) und zwar die Arbeit an einem Selbst, an dem Geschick, das sich aus dem eigenen Leben machen ließe. Wie bereits in der antiken Praxis des Selbst, ist zu dieser Veränderung ein Lehrmeister notwendig, dessen Rolle auch heutzuta- ge unerlässlich ist (in Form einer Fitnesstrainerin, eines Business Coaches, eines geistlichen Begleiters usw.). Das Subjekt ist, heute wie damals, in der Unwissen- heit, Lasterhaftigkeit oder Missbildung befangen und seine Befreiung muss es, laut Foucault, nicht durch ein Wissen anstreben, sondern durch die Erlangung eines Zustands, »den es nie, zu keinem Zeitpunkt seines Daseins, gekannt hat. Es hat den Zustand des Nicht-Subjekts durch den des Subjekts zu ersetzen, der durch die volle Entfaltung der Beziehung zu sich selbst defniert ist.« (Foucault [1982] 2009: 169f) 13 Mit dieser Aufforderung gipfelt Foucaults langjähriges Werk, das wegen sei- nem frühen Tod im Jahr 1984 beenden war. Die hinterlassenen analytischen Mittel und Verfahren inspirieren zu einer radikalen Hinterfragung eingefahrener Denk- schemen und bieten eine Möglichkeit an, die Spielräume der Macht aufs Neue zu eröffnen und damit die Vorstellung von der existierenden (Regierungs-)Ordnung zu überdenken. Darauf weist vor allem sein Denken über das Regieren und seine Vorstellung des Politischen hin, die im Konzept der Gouvernementalität enthalten sind. 3 Gouvernementalität – ein Denken über das Regieren Die beschriebenen analytischen Vorgänge ermöglichen einen Blick in Foucaults Werkzeugkasten. Foucaults Denken und seine Verfahren haben Eingang auch in die politikwissenschaftlichen Untersuchungen gefunden. Vor allem sein Denken über die Regierungstechnologien, die er im Begriff der Gouvernementalität subsum- miert hat, inspirierte einen ganzen Forschungsbereich – die Gouvernementalitäts- Studien –, der sich mit den Fragen des Regierens und Regiert-Werdens befasst. 13 A B Ha a Fa I, N , a a M . Da : »W ? Wa a G B?« (Fa [1981] 1985: 85), : »Wa B Ha aa, , Fa Fa a ?« (.)