7 Auf die Worte kommt es an: Die soziale Situation in der ethnosemantischen Annäherung an das Feld Christoph Maeder 1. Einleitung Die Idee von der De%nition der Situation als einer für die Gesellschaftsbil- dung und -erhaltung bedeutsamen Sichtweise gehört heutzutage zu den kon- stitutiven Annahmen in der interpretativen Soziologie. Das sogenannte "o- mastheorem geht zurück auf eine berühmt gewordene Stelle im Buch «Das Kind in Amerika. Verhalten, Probleme und Programme» das von William I. Domas und seiner Frau Dorothy verfasst wurde. Das Buch ist im Jahr 1928 erschienen und die berühmt gewordene Textstelle zur Situation lautet: „Wenn Menschen Situationen als real de%nieren, so sind auch ihre Folgen real.“ (Domas & Domas 1973: 333-335). Die grösste Verbreitung und sei- ne herausragende Bedeutung hat das Deorem in verschiedenen interaktio- nistisch ausgerichteten Ansätzen von Herbert Blumer, Erving GoYman, Ha- rold Gar%nkel, Harvey Sacks und bis hin zu Bruno Latour gefunden. Aber auch im Rahmen der von Anselm Strauss begründeten ‘Grounded Deory’ von den Anfängen bis hin zu den letzten Versionen einer ‘situational analysis’ nach der postmodernen Wende von Adele Clarke (2005) spielt das Deorem eine Rolle. Und auch die Merton’sche Unterscheidung von manifester und latenter Funktion (Merton 1949: 21-81) bei der Analyse einer beobachtbaren Praxis bezieht sich darauf, wenn dabei die Perspektivität des Feldes mit der soziologischen Analyse kontrastiert und verbunden wird. In: Poferl, Angelika, Schröer, Norbert, Hitzler, Ronald, Klemm, Matthias, Kreher, Simone (Hrsg.) (2020): Ethnographie der Situation. Erkundungen sinnhaft eingrenzbarer Feldgegebenheiten. Oldib Verlag, Essen, S. 102-114