Der Urologe [B] 6•2000
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Zum Thema
Die medikamentöse Therapie nimmt in der
Urologie einen zunehmend breiten Raum
ein. Hierbei ist für viele Präparate die Beach-
tung der Nierenfunktion wichtig, um eine
wirksame und sichere Therapie durchzufüh-
ren. Sie kann für die medikamentöse Thera-
pie in zweierlei Hinsicht bedeutsam sein.
Zum einen können einige Arzneimittel als
unerwünschte Wirkung nephrotoxisch sein;
wegen dieser nierenschädigenden Effekte ist
ein verstärktes Augenmerk auf die Nieren-
funktion während solcher Therapie erforder-
lich, und die Indikation für solche Präparate
ist bei bereits eingeschränkter Nierenfunk-
tion besonders streng zu stellen. Zum ande-
ren werden viele urologisch eingesetzte
Medikamente renal ausgeschieden; bei ein-
geschränkter Nierenfunktion kann es des-
halb zu erhöhten Blutspiegeln kommen, die
in einigen Fällen eine Dosisanpassung erfor-
dern. Darüber hinaus ist bei einigen Arznei-
mitteln (z. B. Aminoglykosiden,Vancomycin)
zusätzlich während der Therapie eine regel-
mäßige Überwachung der Serumspiegel
(sog. therapeutisches Drug-Monitoring,
TDM) unbedingt empfehelnswert.
Nierenschäden
durch Arzneimittel
Die Nieren sind wegen ihrer anatomi-
schen und physiologischen Besonderhei-
ten besonders anfällig für unerwünschte
Arzneimittelwirkungen. Dies beruht auf
ihrer hohen Durchblutung (hohes Expo-
sitionsrisiko), der großen Endothelober-
fläche (hohe Anfälligkeit gegenüber der
Ablagerung von Immunkomplexen),ho-
her Stoffwechselaktivität (hohe Emp-
findlichkeit gegenüber Hypoxie, Stoff-
wechselgiften, Fremdstoffen) und auf der
aktiven Rückresorption von Fremdstof-
fen durch die Tubuluszellen [7].
Unerwünschte Arzneimittelwirkun-
gen an der Niere können sich als ne-
phrotisches Syndrom, als akutes Nieren-
Zum Thema: Uronephrologie
Urologe [B]
2000 · 40:525–527 © Springer-Verlag 2000
S. Dammer · R.F. Schäfers · M.C. Michel
Abteilung für Nieren- und Hochdruckkrankheiten, Medizinische Klinik, Universitätsklinikum Essen
Urologische Medikation
und Nierenfunktion:
Was ist zu beachten?
Prof. Dr. M.C. Michel
Nephrologisches Labor IG 1,
Universitätsklinikum Essen, 45122 Essen,
E-Mail: martin.michel@uni-essen.de
Tabelle 1
Durch Arzneimittel ausgelöste Nierenschäden
Nephrotisches Syndrom ACE-Hemmer, Antiepileptika, Goldpräparate, Lithium, Mepheny-
toin, NSAR, Paramethadion, Penicillamin, Penicillin G, Perchlorat,
Phenindion, Probenicid, Quecksilberverbindungen, Sera,
Tolbutamid,Tromethadion,Vakzine,Wismutsalze
Akutes Nierenversagen ACE-Hemmer (v. a. in Verbindung mit NSAR oder Diuretika), Al-
lopurinol, Antibiotika (Aminoglykoside, Amphotericin B, Cephalo-
sporine, Colistin, Polymyxin, Rifampicin, Sulfonamide,Terazykline,
Vancomycin), ASS, Cimetidin, Cisplatin, Ciclosporin, Dextrane,
Diuretika, Glykolverbindungen, Goldsalze, Methoxyfluran, NSAR,
Oxalsäure, Paracetamol, Penicilline, Phenytoin, Röntgenkontrast-
mittel, Sera, Sulfonylharnstoffe,Triamteren, Zytostatika
Chronische Niereninsuffizienz Nichtopioide Analgetika (historisch v. a. Phenazetin, aber auch
ASS und Paracetamol), v. a. in Kombinationspräparaten
Glomerulonephritis ACE-Hemmer, Dihydralazin, Goldverbindungen, Hydantoinderiva-
te, Lithium, Mephenytoin, NSAR, Paramethadion, Penicillamin,
Penicilline, Perchlorat, Probenicid, Protamin-Zink-Insulin, Queck-
silbersalze, Sulfonamide,Thiaziddiuretika,Tolbutamid,Trichlor-
ethylen,Trimethadion,Vakzine
Interstitielle Nephritis Allopurinol, Amphetamine, Antibiotika (Aminoglykoside, Cephalo-
sporine, Penicilline, Polymyxin, Rifampicin, Sulfonamide,Tetrazy-
kline,Vancomycin), Antikoagulanzien, Azathioprin, Carbamazepin,
Cimetidin, Clofibrat, Dihphenylhydantoin, Diuretika, Goldverbin-
dungen, Immunsuppressiva, Interferon, Jodverbindungen,
Lithium, Methyldopa, NSAR, Phenazetin, Phenindion, Phenbobar-
bital, Phenytoin, Propranolol, Propylthiouracil,Wismutsalze
ASS Acetylsalicylsäure, NSAR nichtsteroidale Antirheumatika