Matthias Ecker-Ehrhardt May we have your likes, please? Internationale Organisationen, soziale Medien und die Aporien digitaler Öffentlichkeitsarbeit Internationale Organisationen (IOs) haben die Nutzung sozialer Medien über die letzten Jahre massiv verstärkt. Mit diesem Trend lassen sich weitreichende Hoff‐ nungen verbinden, die von erhöhter Transparenz über effektivere Advocacy bis hin zu einer breitenwirksamen (Selbst)Legitimation internationalen Regierens reichen. Doch wie gehen IOs mit den neuen Möglichkeiten sozialer Medien tatsächlich um? Der Beitrag argumentiert, dass soziale Medien eine Reihe problematischer Anreize für IO-Öffentlichkeitsarbeit setzen. Diese bedingen neue Aporien bzw. verstärken alte und definieren damit einen erheblichen Forschungsbedarf für die Internationa‐ len Beziehungen (IB). Der Beitrag illustriert dies anhand von fünf Aporien: der Be‐ schleunigung von IO-Öffentlichkeitsarbeit, ihrer Personalisierung durch die ver‐ stärkte öffentliche Präsenz von Führungspersonal, ihrer verstärkten Selektivität be‐ züglich kommunizierter Inhalte, ihrer problematischen Emotionalisierung im Kon‐ text advokatorischer Kampagnenkommunikation sowie des Problems polarisierender Fragmentierung entlang ideologischer Konfliktlinien. Einleitung 1 Soziale Medien werden für das Verständnis internationalen Regierens in und durch internationale Organisationen (IOs) immer wichtiger: Zentrale Politikfelder dieses Regierens – vom Klimawandel, Migrationsbewegungen, Menschenrechtsverletzun‐ gen bis hin zu Finanzmärkten, Bürgerkriegen und Terrorismus – werden heute ve‐ hement auf sozialen Medien kommentiert und diskutiert. Dabei werden IOs selbst regelmäßig mit ihren Entscheidungen und Politiken zum Thema kontroverser Aus‐ einandersetzungen. So wie andere – in diesem Forum ausführlich diskutierte – Ak‐ teure in der global governance, haben IOs über die letzten Jahre folgerichtig begon‐ nen, soziale Medien selbst ausgiebig zur Kommunikation zu nutzen. Mit dieser verstärkten Nutzung lassen sich weitreichende Hoffnungen verbinden, die von erhöhter Transparenz über effektivere Advocacy bis hin zu einer breiten‐ wirksamen (Selbst)Legitimation internationalen Regierens reichen. Dabei scheinen soziale Medien gerade für Zwecke einer auf Transparenz zielenden Öffentlichkeits‐ arbeit aber eher schlecht gerüstet. Nicht nur begrenzen die technischen Möglichkei‐ 1. 1 Ich danke Andrea Schneiker, den anderen Autor*innen dieses Forums sowie den beiden anonymen Gutachter*innen für äußerst hilfreiche Kommentare. Ein besonderer Dank gilt zudem Lucas Wotzka und Philip Kreißel, die mich bei der Erhebung der im Beitrag ver‐ wendeten Daten maßgeblich unterstützt haben. 120 Zeitschrift für Internationale Beziehungen 28. Jg. (2021) Heft 2, S. 120 – 138, DOI: 10.5771/0946-7165-2021-2-120 https://doi.org/10.5771/0946-7165-2021-2-120 Generiert durch IP '207.241.231.108', am 19.01.2022, 02:18:48. Das Erstellen und Weitergeben von Kopien dieses PDFs ist nicht zulässig.