DOI: 10.1002/bewi.201801935 ,Little by Little‘. Datensammlung und Skalierung in der Rechts- ethnologie des 19. Jahrhunderts Anna Echterhçlter Summary: ‘Little by Little’. Data Collection and Scales in Nineteenth-Century Legal Anthropology. With the growing possibilities to measure and accumulate data, two strategies for a small discipline like the history of science are suggested: (1) It should facilitate and maintain the cooperation of specialists who pursue different subject matters and methods. (2) It should invite the recent history of quantification as an essential perspective. A large data collection on the anthropology of law by the German colonial office serves as example. Keywords: history of quantification, anthropology of law, historical epistemology, uni- versalism, colonialism, scale and scope Schlüsselwçrter: Geschichte der Quantifizierung, Rechtsethnologie, historische Episte- mologie, Universalismus, Kolonialismus, Skalierung und Themenspektren Maschinen treten zunehmend intimer und anthropomorpher auf. 1 Zugleich beruht das diskrete Wissen hinter den Benutzeroberflächen immer unausweichlicher auf Daten. Während viele kleine geistes- und kulturwissenschaftliche Fächer ihren Gegenstand in der Lesbarkeit der Welt sehen, sollte ihrer zunehmenden Messbarkeit vergleichbare ana- lytische Finesse zuteilwerden. Dies ist insbesondere dort erforderlich, wo die Quantifizie- rung ihren Gegenstand verändert und neue Institutionen hervorbringt: algorithmisch ge- steuerte Finanzmärkte, automatisierte Produktion, mçgliche Surveillance durch Versiche- rungen, Staat und Telefonkonzerne sowie einen Alltag, dessen Punktsysteme und Ver- gleichsskalen die bisherige monetäre Sphäre in regelrechte metrische Milieus verwandelt haben. 2 Daten erçffnen durch die Steigerung der Reichweite positive Mçglichkeiten der Verwaltung, neuer Indikatoren, der globalen Ressourcenverteilung und der Repräsentati- on von Bevçlkerungsgruppen, die lange als „undercounted“ galten. Die Geschichte der Quantifizierung gehçrt deshalb (neben der Geschichte der Geis- tes- und Klimawissenschaften) zu den wegweisenden Entwicklungen innerhalb der Wis- senschaftsgeschichte, deren grçßte Virtuosität womçglich von Anfang an darin bestand, plurales Spezialistentum und Methodenvielfalt zuzulassen. 3 Es kçnnte für dieses ,kleine Fach‘ zudem von Vorteil sein, sich ,kleinen Fächern‘ der Vergangenheit zuzuwenden. ,Little by little‘ werden hierdurch Entwicklungsmomente der Datenmoderne freigelegt. 4 Die sächsische Forstwissenschaft bringt das Konzept der Nachhaltigkeit hervor. Die his- torischen Hilfswissenschaften bearbeiten die Zeichensysteme, die zwischen Staat und Bürgern vermitteln und derzeit maschinensprachlich übersetzt werden. Dabei liest Witold Kula die Metrologie – die Lehre von historischen Maßen und Gewichten – A. Echterhçlter, Prof. Dr., Universität Wien, Institut für Geschichte, Universitätsring 1, AT-1010 Wien, E-Mail: anna.echterhoelter@univie.ac.at 2018 WILEY-VCH Verlag GmbH & Co. KGaA, Weinheim 341 Ber. Wissenschaftsgesch. 41 (2018) 341 – 344 www.bwg.wiley-vch.de