484 Buchbesprechungen Auch wenn folglich für die Geschichte der kantischen Philosophie aus dieser Vorlesungsmitschrift nicht viel Neues zu gewinnen ist, für die philosophiege- schichtliche Bewegung des Denkens in den 1770-er und 1780-er Jahren ist sie von unschätzbarem Wert. An diesem glänzend aufbereiteten Text ist nämlich u. a. zu ersehen, dass der transzendentale Weg einer Überwindung des ‚garstig breiten Grabens‘ zwischen Vernunft und Erfahrung noch in den 1780-er und 1790-er Jahren keineswegs der einzige war, der den Zeitgenossen als attraktiv oder auch nur gangbar erschien. Tetens’ Vorlesung dokumentiert in aller wünschenswerten Deutlichkeit, wie stark auch im späten 18. Jahrhundert noch auf eine Erweiterung und Differenzierung der Leibniz’schen Metaphysik gesetzt wurde und damit auch, welchen Schwierigkeiten Kant ausgesetzt war, die „Prüfung“ seiner Ergeb- nisse in „gute Hände“ zu legen. Diane Williamson: Kant’s Theory of Emotion. Emotional Universalism. New York: Palgrave Macmillan, 2015. X, 279 Seiten. ISBN 978-1-137-49981-3. Besprochen von Prof. Dr. Jakub Sirovátka, TF JU, Katedra filosofie a religionistiky, Kněžská 8, CZ-370 01 České Budějovice, Tschechien; jakub.sirovatka@seznam.cz DOI 10.1515/kant-2017-0038 Das vorliegende Buch beginnt mit einem emphatischen Ausruf: „Welcome to Emotional Universalism!“ Bereits aus diesem Motto lässt sich auf den Ton und den Inhalt schließen. Diane Williamson entwirft eine positive Rekonstruktion einer kantischen Theorie der Gefühle, um ihre konstruktive und unersetzliche Rolle in der ethischen Konzeption Kants herauszuarbeiten. Um es gleich vorweg- zunehmen: Es ist ihr sehr gut gelungen. Und nicht nur das, sie zeigt zugleich, wie eng die emotionale Seite des Menschen mit seiner Moralität verknüpft ist und welchen Beitrag die Philosophie Kants in dieser Hinsicht auch über das Feld der Philosophie hinaus leisten kann. Das Buch ist in acht Kapitel aufgeteilt und stützt sich vor allem auf die Schrif- ten Anthropologie und die Metaphysik der Sitten. Die „Introduction“ (1−14) gibt einen guten Überblick über den Aufbau der Untersuchung und benennt die wichtigsten Unterscheidungen, mit denen gearbeitet wird. Die ersten drei Kapitel bilden eine Art Präludium zu den weiteren fünf, die sich direkt mit Kants Phi- losophie beschäftigen. Das erste „Profiles of Emotionality“ (15−30), das zweite „Understanding the Nature of Emotion“ (31−58) und das dritte Kapitel „Emotions, Decision Making, and Morality“ (59−82) widmen sich allgemeinen Theorien über die menschlichen Emotionen aus dem psychologischen, aber auch aus dem phi- losophischen Bereich. Dadurch soll der Boden für die Untersuchung der eigenen