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E. W. Russi, W. Weder
Zusammenfassung
Die chirurgische Lungenvolumenreduktion (LVR) ist
ein neuartiges operatives Behandlungskonzept für
ausgewählte Patienten mit fortgeschrittenem Lun-
genemphysem, die trotz optimaler Therapie schon bei
geringer Anstrengung an Atemnot leiden und funk-
tionell erheblich eingeschränkt sind.
Mittels beidseitiger videoassistierter thorakoskopi-
scher Resektion werden die am meisten vom Emphy-
sem betroffenen Lungenabschnitte reseziert. Da-
durch wird die stark überblähte Lunge verkleinert
und die Atemmechanik verbessert. Dieses Verfahren,
das an spezialisierten Zentren eine überraschend ge-
ringe perioperative Mortalität und Morbidität hat,
führt bei der Mehrheit der operierten Patienten zu
einer deutlichen symptomatischen Verbesserung, die
durch eine Besserung der Lungenfunktion und der
körperlichen Belastbarkeit bedingt ist. Die maxima-
le funktionelle Verbesserung wird innert drei Mona-
ten nach der Operation erreicht und nimmt nach ein
bis zwei Jahren langsam ab.
Einleitung
Schwere Formen einer chronisch obstruktiven Lun-
generkrankung (COPD) gehen in der Regel mit
einem Lungenemphysem einher. Dieses ist patho-
logisch-anatomisch definiert und besteht aus einer
irreversiblen Erweiterung von Lungenabschnitten di-
stal der Bronchioli terminales und einer Destruktion
der Alveolarsepten. Eine wichtige funktionelle Kon-
sequenz ist der Elastizitätsverlust des Lungengewe-
bes. Als Folge kommt es zu einer irreversiblen Über-
blähung der Lunge und einer verminderten Ausspan-
nung der nicht mit Knorpel stabilisierten Atemwege.
Das Zwerchfell wird abgeflacht und ist als Atemmus-
kel ineffizient. Während der Ausatmung kollabieren
die Atemwege, der Atemwegswiderstand ist stark er-
höht, die Atemarbeit nimmt zu. Medikamente, die ei-
ne gute Wirkung auf die bronchitische Komponente
dieser Erkrankung, aber keinen relevanten Einfluß auf
die ungünstige Lungenmechanik des Emphysems ha-
ben, vermögen an diesem Zustand nichts zu verändern.
Prinzip und Technik der chirurgischen
Lungenvolumenreduktion
Das Grundkonzept dieser Operation ist über vierzig
Jahre alt. Aber erst die im Rahmen der Lungentrans-
plantation erzielten Erfahrungen und Fortschritte
im Bereiche von Anästhesiologie, Operationstechnik
und intensivmedizinischer Nachbehandlung ermög-
lichen eine akzeptable Morbidität und Letalität die-
ses Verfahrens [1–3].
Die Volumenreduktionsoperation (LVR) beim Lun-
genemphysem muß klar von der klassischen Bulla-
Chirurgie abgegrenzt werden. Diese wird seit fast
fünfzig Jahren mit Erfolg durchgeführt. Es werden
funktionell eingeschränkte Patienten mit Bullae, die
mehr als einen Drittel des Hemithorax ausfüllen und
das übrige Lungenparenchym komprimieren, ope-
riert. Die LVR kommt beim generalisierten Emphy-
sem zur Anwendung. Dabei werden die am stärksten
emphysematös veränderten Lungenabschnitte rese-
ziert (Abb. 1).
Therapeutische
Umschau
© 1999 Verlag Hans Huber, Bern Band 56, 1999
Heft 3
Abteilung für Pneumologie und Klinik für Viszeralchirurgie, Universitätsspital Zürich
D ie chirurgische Lungen-
volumenreduktion – eine Option
zur Behandlung des schweren
Lungenemphysems
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