157 E. W. Russi, W. Weder Zusammenfassung Die chirurgische Lungenvolumenreduktion (LVR) ist ein neuartiges operatives Behandlungskonzept für ausgewählte Patienten mit fortgeschrittenem Lun- genemphysem, die trotz optimaler Therapie schon bei geringer Anstrengung an Atemnot leiden und funk- tionell erheblich eingeschränkt sind. Mittels beidseitiger videoassistierter thorakoskopi- scher Resektion werden die am meisten vom Emphy- sem betroffenen Lungenabschnitte reseziert. Da- durch wird die stark überblähte Lunge verkleinert und die Atemmechanik verbessert. Dieses Verfahren, das an spezialisierten Zentren eine überraschend ge- ringe perioperative Mortalität und Morbidität hat, führt bei der Mehrheit der operierten Patienten zu einer deutlichen symptomatischen Verbesserung, die durch eine Besserung der Lungenfunktion und der körperlichen Belastbarkeit bedingt ist. Die maxima- le funktionelle Verbesserung wird innert drei Mona- ten nach der Operation erreicht und nimmt nach ein bis zwei Jahren langsam ab. Einleitung Schwere Formen einer chronisch obstruktiven Lun- generkrankung (COPD) gehen in der Regel mit einem Lungenemphysem einher. Dieses ist patho- logisch-anatomisch definiert und besteht aus einer irreversiblen Erweiterung von Lungenabschnitten di- stal der Bronchioli terminales und einer Destruktion der Alveolarsepten. Eine wichtige funktionelle Kon- sequenz ist der Elastizitätsverlust des Lungengewe- bes. Als Folge kommt es zu einer irreversiblen Über- blähung der Lunge und einer verminderten Ausspan- nung der nicht mit Knorpel stabilisierten Atemwege. Das Zwerchfell wird abgeflacht und ist als Atemmus- kel ineffizient. Während der Ausatmung kollabieren die Atemwege, der Atemwegswiderstand ist stark er- höht, die Atemarbeit nimmt zu. Medikamente, die ei- ne gute Wirkung auf die bronchitische Komponente dieser Erkrankung, aber keinen relevanten Einfluß auf die ungünstige Lungenmechanik des Emphysems ha- ben, vermögen an diesem Zustand nichts zu verändern. Prinzip und Technik der chirurgischen Lungenvolumenreduktion Das Grundkonzept dieser Operation ist über vierzig Jahre alt. Aber erst die im Rahmen der Lungentrans- plantation erzielten Erfahrungen und Fortschritte im Bereiche von Anästhesiologie, Operationstechnik und intensivmedizinischer Nachbehandlung ermög- lichen eine akzeptable Morbidität und Letalität die- ses Verfahrens [1–3]. Die Volumenreduktionsoperation (LVR) beim Lun- genemphysem muß klar von der klassischen Bulla- Chirurgie abgegrenzt werden. Diese wird seit fast fünfzig Jahren mit Erfolg durchgeführt. Es werden funktionell eingeschränkte Patienten mit Bullae, die mehr als einen Drittel des Hemithorax ausfüllen und das übrige Lungenparenchym komprimieren, ope- riert. Die LVR kommt beim generalisierten Emphy- sem zur Anwendung. Dabei werden die am stärksten emphysematös veränderten Lungenabschnitte rese- ziert (Abb. 1). Therapeutische Umschau © 1999 Verlag Hans Huber, Bern Band 56, 1999 Heft 3 Abteilung für Pneumologie und Klinik für Viszeralchirurgie, Universitätsspital Zürich D ie chirurgische Lungen- volumenreduktion – eine Option zur Behandlung des schweren Lungenemphysems ${protocol}://econtent.hogrefe.com/doi/pdf/10.1024/0040-5930.56.3.157 - Friday, February 01, 2019 4:33:25 AM - Universitätsbibliothek LMU München IP Address:129.187.254.47