Von der Urteilstheorie zur Bewusstseinstheorie Die Entgrenzung der Transzendentalphilosophie Christoph Asmuth In historischer Hinsicht ist es von eminenter Bedeutung, Unterschiede fest- zustellen, hervorzuheben und zu fixieren. Erst durch Unterscheidungen gewinnt das Historische an Kontur, an Vielfalt und inhaltlichem Reichtum. Dabei ist nicht jeder Unterschied sinnvoll. Eine Unterscheidung setzt nämlich voraus, dass die Unterschiedenen zugleich in Beziehung gesetzt und unterschieden werden. Beziehungen sind daher nicht bloß faktisch aufzufinden, vielmehr müssen Beziehungen wie Verbindungen aktiv gezo- gen werden. So ist es möglich, dass Beziehungen zwischen sehr heteroge- nen Erscheinungen konstatiert werden können, dies nur einfach dadurch, dass sie in Beziehung gesetzt werden. Nichts ist daher dem seiner selbst bewussten Nachdenken unerträglicher als das bloß assoziative Zusam- menstellen und Aneinanderreihen. Ein prominenter Kandidat ist der Ver- gleich: Er verspricht, Gleichheiten und Unterschiede anzugeben und zu bewerten. Da es nun nichts gibt, was sich nicht auch in mindestens einer Hinsicht vergleichen lässt, kann man, wenn man will, vergleichen, was man will. Da mag auch die Unvergleichlichkeit selbst jene einzige Hinsicht sein, unter der etwas verglichen wird. Dergestalt eröffnet das Vergleichen ein weites Feld, auf dem neben einigem Nützlichen auch das Unnütze und Unsinnige ins Kraut schießt. Unterschiede festzustellen heißt deshalb, Un- terscheidungsgründe anzugeben und Hinsichten zu rechtfertigen, auf die hin Unterschied und Gleichheit geordnet werden können; ferner: Argu- mente vorzutragen, die es ermöglichen leitende Gesichtspunkte zu formu- lieren und auszuweisen. Für das systematische Denken gilt nicht minder: Erst durch begründe- tes Unterscheiden gewinnen Theorien eine Kontur. Dabei gilt es im Be- reich des lebendigen philosophischen Denkens gleichfalls: nicht nur, Un- .