Schmerz 2008 · 22:424–432
DOI 10.1007/s00482-008-0650-z
Online publiziert: 25. April 2008
© Deutsche Gesellschaft zum Studium
des Schmerzes. Published by Springer
Medizin Verlag - all rights reserved 2008
H. Kayser
1
· R. Thoma
2
· E. Mertens
3
· H. Sorgatz
4
· M. Zenz
5
· G. Lindena
6
1
Praxis für Anästhesie, spezielle Schmerztherapie und
Palliativmedizin Dr. Auerswald und Partner, Bremen
2
Krankenhaus der Missions-Benediktinerinnen von Tutzing
3
Berufsverband Deutscher Anästhesisten (BDA) Aachen
4
Berufsverband Deutscher Anästhesisten (BDA) Nürnberg
5
Klinik für Anästhesie, Intensivmedizin und Schmerztherapie,
Klinikum Bergmannsheil Bochum
6
Klinische Analyse, Forschung und Anwendung, CLARA Clinical Analysis,
Research and Application, Kleinmachnow
Struktur der ambulanten
Schmerztherapie in Deutschland
Ergebnisse einer Umfrage
Originalien
Hintergrund und Fragestellung
Schmerztherapie sollte von jedem Arzt
geleistet werden können, für chronifi-
zierungsgefährdete oder chronische
Schmerzpatienten müssen jedoch in ver-
schiedenen Therapieverfahren versier-
te und spezialisierte Ärzte zur Verfügung
stehen. „Spezielle Schmerztherapie“ ist
eine Qualifikation, die auf Basis verschie-
dener Facharztqualifikationen mit einer
Zusatzbezeichnung zu erwerben ist. Die
Qualitätssicherungsvereinbarung mit den
Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) er-
möglicht die Abrechnung ambulanter
schmerztherapeutischer Leistungen. Die-
se Qualifikation formuliert Anforde-
rungen, die nicht deckungsgleich mit de-
nen der Zusatzbezeichnung sind. Eine
persönliche oder institutionelle Ermäch-
tigung können ambulante Einrichtungen
an Kliniken ebenfalls von ihrer KV erhal-
ten. Eine zusätzliche Qualifikation verge-
ben die beiden schmerztherapeutischen
Gesellschaften „Deutsche Gesellschaft für
Schmerztherapie“ (DGS) und „Deutsche
Gesellschaft zum Studium des Schmerzes“
(DGSS).
Für die Verhandlungen um ausreichen-
de Vergütung schmerztherapeutischer
Leistungen mit Politik und Kostenträgern
ist es notwendig, die besonderen Quali-
tätsmerkmale zur Versorgung der Patien-
ten darzustellen [1].
Bisher gibt es keine einrichtungsbe-
zogenen Informationen zu Qualifikation
und Leistungsfähigkeit ambulanter spezi-
eller Schmerztherapie in Praxen und Kli-
niken. Die Information zu Organisati-
onsmodellen ambulanter Schmerzthera-
pie [2] musste daher dringend aktualisiert
werden. Die Umfrage erfasst die ambu-
lante Schmerztherapie auch an Kliniken,
die in einer früheren Aktion weniger aus-
führlich befragt worden waren [3]. Die
schmerztherapeutischen Gesellschaften
haben ausschließlich Informationen über
die Mitgliedschaft und die Facharztquali-
fikation ihrer Mitglieder.
Daher initiierte die berufspolitische
Kommission der Deutschen Gesellschaft
zum Studium des Schmerzes (DGSS) in
Zusammenarbeit mit der Deutschen Ge-
sellschaft für Anästhesie und Intensivme-
dizin (DGAI) und dem Berufsverband der
Anästhesisten (BDA) eine Umfrage bei ih-
ren Mitgliedern und bei Ärzten, die von
ihren Kassenärztlichen Vereinigungen
mit einer schmerztherapeutischen Quali-
fikation geführt werden. Besonderer Wert
wurde auf Ausstattung, Vorgehen in der
Versorgung und interdisziplinäre multi-
professionelle Zusammenarbeit gelegt.
Methoden
Um möglichst alle ambulant schmerzthe-
rapeutisch Tätigen zu erfassen, diese aber
aus den Mitgliederverzeichnissen nicht
hervorgehen, wurden alle Mitglieder der
Gesellschaften DGSS, BDA sowie ausge-
wählte Mitglieder der DGAI – z. T. wegen
Doppelmitgliedschaften mehrfach – per
Post oder E-Mail angeschrieben. Zusätz-
lich gab es auf der DGSS-Homepage ei-
ne Internetversion. Die DGS verwandte
parallel den gleichlautenden Fragenkata-
log bei der jährlichen Umfrage zu ihrem
Mitgliederverzeichnis.
Mit einem personenbezogenen Frage-
bogen wurden die persönliche Qualifika-
tion, mit einem einrichtungsbezogenen
Bogen die personelle Ausstattung, der
Versorgungsumfang und die Arbeitswei-
se erfasst. Einrichtungen konnten meh-
rere Mitarbeiter mit personenbezogenen
Bögen zugeordnet sein, ausnahmsweise
schmerztherapeutisch qualifizierte Per-
sonen mehreren Einrichtungen.
Die Erfassung erfolgte nicht anonym,
um eine regionale Zuordnung zu ermögli-
chen und die Informationen auch berufs-
politisch nutzen zu können. Auf beiden
Fragebögen waren nur wenige antworten-
de Kollegen mit der Benennung ihrer An-
gaben nicht einverstanden.
Datensammlung
Insgesamt wurden 6660 Mitglieder der Ge-
sellschaften und 519 von 956 KV-Mitglie-
dern mit einer Zusatzbezeichnung „Spe-
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Der Schmerz 4 · 2008