178 Mitteilungen der Naturforschenden Gesellschaft in Bern 2018 Geoarchäologie und Mikromorphologie: Auf Spurensuche in archäologischen Schichten Mit mikromorphologischen Methoden bringen Geoarchäologen selbst aus einer unscheinbaren Schicht eine unglaubliche Informationsfülle zu Tage. Die Methode verbindet dabei geologisches, bodenkundliches, biologisches und archäologisches Fachwissen und ist im engsten und besten Sinne interdisziplinär. Lehmböden, Feuerstellen und Grubenfüllungen – mehr als bloss «der letzte Dreck» A n der Schnittstelle zwischen Ar- chäologie und Geowissenschaf- ten gelegen, bedient sich die Geoarchäologie unter anderem auch geologisch-bodenkundlicher Me- thoden, um Informationen zu archäolo- gischen Strukturen, (prä-)historischen Siedlungsstellen oder auch einzelnen Fundobjekten beizusteuern (cAnti & HuiS- MAn 2015). Seit den 1990er Jahren sind in der Schweiz mit dem Nationalstrassen- bau und den damit zusammenhängen- den archäologischen Grossprojekten zwei grössere Anwendungsbereiche für die Geoarchäologie entstanden. Es sind dies einerseits geoarchäologische Studien zur 1 Unter Kulturschicht versteht man eine Ablagerung, in der sich Spuren menschlicher Aktivitäten abzeichnen. Landschaftsgeschichte («Off-site studies») und andererseits Untersuchungen inner- halb archäologischer Fundstellen («On-site studies»). Im Rahmen von geoarchäologischen On-site Studies haben sich in den vergan- genen Jahrzehnten mikromorphologische Analysen als besonders geeignet erwiesen, um Ablagerungsprozesse in archäologi- schen Sedimenten zu rekonstruieren. Die- se Methode stammt ursprünglich aus der Bodenkunde und beruht auf der mikrosko- pischen Analyse grosser Dünnschliffe von natürlichen und anthropogenen Locker- sedimenten, die vorgängig in Kunstharz gefestigt wurden (courty et Al., 1989). Mikromorphologische Untersuchungen werden hauptsächlich bei spezifschen ar- chäologischen Befunden wie Kulturschich- ten 1 , Grubenfüllungen oder Schichtabfol- Autoren Kristin Ismail-Meyer, Philippe Rentzel NGB