Schwerpunkt
Herzschr Elektrophys
DOI 10.1007/s00399-017-0501-7
Eingegangen: 22. März 2017
Angenommen: 10. April 2017
© Springer Medizin Verlag GmbH 2017
E. Ene · P. Halbfaß · K. Nentwich · K. Sonne · M. Roos · S. Fodor · L. Lehmkuhl ·
F. Gietzen · S. Barth · K. Hamm · T. Deneke
Herz- und Gefäßklinik, Bad Neustadt a. d. Saale, Deutschland
Epikardiale Ablation
ventrikulärer Tachykardien
Die Katheterablation wurde in der aktu-
ellen Leitlinie zum Management ventri-
kulärer Arrhythmien deutlich aufgewer-
tet und wird zum Teil als Klasse-I-In-
dikation in unterschiedlichen Szenarien
empfohlen [1–5]. Randomisierte Studien
zeigen einen relevanten Vorteil der Abla-
tion ventrikulärer Tachykardien (VT) bei
ischämischen Kardiomyopathien (ICM)
im Vergleich zur medikamentösen Re-
zidivprophylaxe [2, 3]. Eine Etablierung
von Zentren mit entsprechender Erfah-
rung ist insbesondere vor diesem Hinter-
grund und unter Qualitätsaspekten sinn-
voll.
Die progrediente myokardiale Ver-
narbung im Rahmen struktureller Herz-
erkrankungen bildet die anatomische
Grundlage für narbenassoziierte VT-
Reentry-Mechanismen. Anatomisch
oder funktionell findet sich eine für die
VT-Kreiserregung kritische Zone mit
verzögerter elektrischer Leitung (Isth-
mus), die durch nichtleitende Areale
(entweder Narbenzonen oder anatomi-
sche leitungsblockierende Strukturen
wie die Herzklappen) begrenzt zu sein
scheint. Diese Zonen (kritischer Isth-
mus einer VT) können anhand ihrer
speziellen elektrophysiologischen Ei-
genschafen sowohl während laufender
VT oder auch normalem intrinsischem
Rhythmus (als abnorme Spätpotenziale
während z. B. Sinusrhythmus-Mapping)
identifiziert werden. Nur ein kleiner
Bruchteil der zu abladierenden VT sind
hämodynamisch stabil und somit ei-
nem dezidierten Mapping während VT
zugänglich. Geschätzte 90 % der VT-
Ablationen werden bei Patienten mit
hämodynamisch nichttolerierten VT
durchgeführt; hierbei wird basierend
auf dem zugrunde liegenden elektro-
anatomischen Substrat eine Modifikati-
on der arrhythmogenen und erkrank-
ten Ventrikelanteile durchgeführt. Eine
Identifikation dieser Areale durch Map-
ping von Low-voltage-Arealen (<0,5 mv
lokale bipolare Voltage; . Abb. 1) er-
möglicht ein gezieltes Aufsuchen und
eine Ablation der Zielregionen. Diese
Strategie kann zur Ablation hämodyna-
misch nichttolerierter VT angewendet
werden. Das zugrunde liegende Substrat
ist allerdings nicht immer von endo-
kardial erreichbar und kann durchaus
intramyokardiale und epikardiale Kom-
ponenten enthalten. Je nach Wahl der
Ablationsstrategie kann in 10–100 %
der VT-Ablationen bei struktureller
Herzerkrankung somit eine epikardiale
Ablationsstrategie notwendig werden.
Ein epikardialer Zugang, Mapping und
Ablation sind Routinebestandteil der
VT-Ablation in erfahrenen Zentren und
konnten die Erfolgsraten gerade bei
nichtischämischen Kardiomyopathien
(NICM) deutlich erhöhen [5]. Wenn
ein epikardialer Zugangsweg sinnvoll
und indiziert ist, sollten diese Prozedu-
ren durch erfahrene Zentren frühzeitig
durchgeführt werden, und nicht auf-
grund der fehlenden Kompetenz in
einem nichterfahrenen Zentrum darauf
verzichtet werden.
Indikationen für eine
epikardiale VT-Ablation
Während sich bei der ICM eine Nar-
benzone üblicherweise von endo- nach
epikardial ausbreitet, gibt es bestimm-
te strukturelle Herzerkrankungen, bei
denen sich die Vernarbungszonen über-
wiegend epikardial entwickeln. Hierzu
zählt neben der ARVCM (epikardiale
Substratanteile in fast 100 % der Fälle) die
in Deutschland bisher nur selten vor-
kommende Chagas-Kardiomyopathie.
Epikardiale Substratanteile finden sich
aber auch in fast 80 % der NICM und
bei ca. 20–30 % der ICM-VT-Patienten
(v. a. bei Z. n. inferiorem Myokardin-
farkt oder bei sehr großen transmuralen
Myokardinfarkten). Daher kann – ab-
hängig von der Grunderkrankung und
der Ablationsstrategie – eine epikardiale
Ablation entweder zeitgleich mit einem
endokardialen Ansatz oder konsekutiv
nach Fehlschlagen einer endokardialen
Ablation durchgeführt werden [6].
Auch wenn die VT-Morphologie im
Oberflächen-EKG Hinweise auf den
wahrscheinlichsten epikardialen Ur-
sprungsort liefern kann ([7, 8]; Pseudo-
delta-Welle Dauer >34ms, intrinsische
Deflektion >85 ms, kürzester RS-Kom-
plex >120 ms; . Abb. 2), sind diese Krite-
rien nur bei NICM gültig und insgesamt
wenig prädiktiv. Nur etwa ein Drittel der
Patienten, die effektiv epikardial abladiert
wurden, erfüllen diese EKG-Kriterien.
Abkürzungen
ARVCM Arrhythmogene rechtsven-
trikuläre Kardiomyopathie
Epi-VT-Ablation Ablation einer ventriku-
lären Tachykardie mit
epikardialem Zugang
ICM Ischämische Kardiomyopa-
thie
MRT Magnetresonanz-
tomographie
NICM Nichtischämische Kardio-
myopathie
VT Ventrikuläre Tachykardie
Herzschrittmachertherapie + Elektrophysiologie