Mediatisierte Kindheit – Aufwachsen
in mediatisierten Lebenswelten
Angela Tillmann und Kai-Uwe Hugger
1 Einführung
Die Kindheit stellt sich heute mediatisiert dar. Gemeint ist damit, dass Medien ein
selbstverständlicher Bestandteil der kindlichen Lebens- und Alltagswelt sind. Immer
mehr Formen der Kommunikation sind von Medien durchdrungen. Kommunikation
fndet dabei sowohl rezeptiv und interpersonal als auch interaktiv statt und nimmt Ein-
fuss auf die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern, die generationale Ordnung und
die Familiengestaltung sowie das Familienerleben. Eine besondere Bedeutung erlangen
in diesem Kontext die Digitalisierung und insbesondere auch die zunehmende Portabi-
lität und erweiterte multimediale Konvergenz der Geräte. Darüber werden neue Raum-
erfahrungen und -bezüge, Spielorte und -settings sowie soziale Begegnungen möglich.
Vor diesem Hintergrund muss eine Beschreibung und Analyse mediatisierter Kind-
heit auf sowohl kommunikations- als auch entwicklungs- und bildungsrelevante Fragen
des Aufwachsens Antworten geben können. Deshalb versuchen wir auf den folgenden
Seiten, den Gedankengang plausibel zu machen, dass dazu ein multidimensionales und
interdisziplinäres Forschungsdesign erforderlich ist, welches an den konkreten Lebens-
welten von Kindern ansetzt. Wir beziehen uns dabei auf das Konzept der Mediatisierung
und ergänzen es um drei weitere Forschungsdimensionen. Zum einen werden wir an-
hand der sozialökologischen Perspektive und Kindheitsforschung auf die veränderten
sozialräumlichen Bedingungen des Aufwachsens von Kindern eingehen. Dabei berück-
sichtigen wir, dass Kinder Konstrukteure der eigenen Persönlichkeit und generationalen
Ordnung sind. Darüber hinaus beachten wir in Anknüpfung an die Familienforschung
die Rolle der Medien im Kontext des doing family.
Besonderes Augenmerk richten wir auf den Aspekt der Mobilität, denn wir glau-
ben, dass den portablen Mediengeräten im Kontext des gegenwärtigen sozialen Wandels
eine besondere Bedeutung zukommt. So liefern auch erste Ergebnisse einer aktuellen
A. Tillmann et al. (Hrsg.), Handbuch Kinder und Medien, Digitale Kultur und Kommunikation 1,
DOI 10.1007/978-3-531-18997-0_2, © Springer Fachmedien Wiesbaden 2014