,, 2 Fabian Lampart Obwohl in den Jahren zwischen 1804 und 1825 sowohl die ,Lehr'- als auch die ,Wanderjahre' vorbei sind, dürfte auch hier das Diktum von Jean Pauls Entwicklungslosigkeit kaum der Überprüfung standhalten. Universit6 de Paris VIII Christian Helmreich Departement d'etudes germaniques 2, nie de la Liberte F-93526 Saint-Denis Cedex 02 christian.helmreich@ens.fr Ethel Matala de Mazza, Der verfaßte Körper. Zum Projekt einer organischen Gemeinschaft in der Politischen Romantik. Rombach, Freiburg/Br. 1999. 476 S., 65,50. Carl Schmitts Polemik gegen die politische Romantik* 1 ist eine Kritik an der Möglichkeit, im romantischen Spannungsfeld zwischen politischer Aktion und ästhetischer Reflexion ,Politik* ak- tualisieren zu können. Die politischen Entwürfe romantischer Autoren mit ihrem Anspruch, die Modalitäten staatlich-gemeinschaftlichen Zusammenlebens im Kontext universalpoetischer Denk- figuren neu zu bestimmen, seien zutiefst unpolitisch, das Politische werde durch das Ästhetische überlagert und konterkariert. Die Romantikforschung der letzten Jahrzehnte ist reich an Versu- chen, diese Generalverurteilung politischen Denkens in der Romantik revidierend auszudifferen- zieren. Matala de Mazza erweitert das Spektrum dieser Versuche um einen entscheidenden Aspekt. Sie verfolgt die enge Bindung des Konzepts der organischen Gemeinschaft an die Metaphorik des politischen Körpers und knüpft dabei an die von Foucault herausgearbeiteten Diskrepanzen zwischen dem politischen Körper der Moderne und der Doppelpräsenz des mythisch-materiellen Körpers des Königs an. 2 In diskurshistorischer Perspektive beleuchtet sie die „Kontinuitäten [...], die den modernen politischen Körper an seine mittelalterlichen und neuzeitlichen Vorgänger anschließen" (S. 28). Die Studie möchte also einen Beitrag zur „Genealogie der ,politische[n] Besetzung des Körpers"' anhand der „Literarisierungen und Theoretisierungen" des kollektiven Körpers in Texten der Romantik leisten (S. 31). In der Untersuchung geht es darum, die Körper-Metapher als strukturelles Vorbild des Staates in historischer Rückbindung an antike und mittelalterliche Konzepte für die Romantik neu zu bestimmen. Matala de Mazza sieht die aus der Kontamination mit ästhetischen Entwürfen not- wendig entstehende Um- und Entwertung politischer Begrifflichkeit als konsumtives Element romantischer Projekte gemeinschaftlichen Zusammenlebens. Bei der Freilegung der historischen Fundamente des paulinisch-christlichen Kollektivleibs und der Entzifferung der „ästhetischen [...] Gemeinschaftsentwürfe der Politischen Romantik als ,Um-Schriften' dieses christlichen Mo- dells" legt sie Wert darauf, daß die „Metaphern ernstgenommen werden", die die Romantiker ihren Texten eingeschrieben haben. Im Gegensatz zu Bestrebungen, die Unmöglichkeit der Re- präsentation der staatlichen Gemeinschaft zu betonen und sie „am ,Ort eines bildlosen Denkens' anzusiedeln" (S. 4o), 3 wird die kontinuierliche Präsenz des kollektiven Körpers in den Staatsent- würfen der Romantik unterstrichen und als Möglichkeit der Rückbindung an eine sinnlich-vorre- flexive Lebenswirklichkeit gelesen. 1 Carl Schmitt, Politische Romantik. München - Leipzig 1925. 2 Michel Foucault, „Recht der Souveränität / Mechanismus der Disziplin. Vorlesung vom 14. Januar 1976". In: ders., Dispositive der Macht. Über Sexualität, Wissen und Wahrheit. Berlin 1978, S. 75-95; sowie ders., Überwachen und Strafen. Die Geburt des Gefängnisses. Übersetzt von Walter Seitter. Frankfurt/M. 1976 (Surveiller etpunir. La naissance de laprison. Paris 1975). 3 Die Autorin bezieht sich auf Jean-Luc Nancy, Die undarstellbare Gemeinschaft. Stuttgart 1988 (La communautu däsoevree. Paris 1986), und Friedrich Balke, Der Staat nach seinem Ende. Die Versuchung Carl Schmitts. München 1996. Brought to you by | University of Birmingham Authenticated Download Date | 6/6/15 12:53 PM