IV. Der Areopag als Gerichtshof*) Von Charlotte Schubert Nach dem Mythos der klassischen Zeit basierte der Name des Areopags („Ares-Hügel") auf der Tradition eines Blutgerichtes, das an diesem Ort über Ares vor einem aus Göttern bestehenden Gericht abgehalten worden war. Ares soll Halirrhothios, den Sohn des Poseidon, getötet haben, da dieser Alkippe, die Tochter des Ares und der Aglauros, vergewaltigt hatte 1 )· In historischer Zeit fanden Blutprozesse in Athen an fünf verschiedenen Orten statt 2 ) : Prozesse wegen unvorsätzlicher Tötungwutnieda (φόνο ακούσιο ) und Fälle, in denen jemand einen Sklaven, einen Metöken oder einen Fremden getötet hatte, wurden am Palladion verhandelt 3 ). Über Tötungen, die im Einklang mit den Gesetzen standen (φόνο δίκαιο ) wie etwa die Tötung eines auf frischer Tat ertappten Ehebrechers oder diejenige eines im Krieg auf der eigenen Seite Kämpfenden, der irr- tümlich nicht erkannt wurde, sowie schließlich Todesfälle während eines Wettkampfes beriet man am Delphinion 4 ). *) Erweiterte Fassung eines Beitrages, der unter dem Titel „Der Areopag : Ein Ge- richtshof zwischen Politik und Recht" in J. v. Ungern-Sternberg/L. A. Burck- hardt (Hg.), Große Prozesse im antiken Athen, im C. H. Beck Verlag erscheinen wird. ') Dem. XXIII 66. 2 ) Athenaion Politela 57,3; vgl. J. Lipsius, Das attische Recht und Rechtsver- fahren, Leipzig 1905-15, 121 ff.; D. M. McDowell, The Law in Classical Athens, London 1978, 27ff., 41 ff. ; ders., Athenian Homicide Law, London 1963, 73ff. ; vgl. A. R. W. Harrison, The Law of Athens II., Procedure, Oxford 1971. 3 ) Athenaion Politeia 57, 3 ; etwas anders Dem. XXIII 66 ff. 4 ) Dem. XXIII 74. Brought to you by | Nanyang Technological University Authenticated Download Date | 6/17/15 8:39 AM