in: Pricke, Werner (Ed.): Innovationen in Technik, Wissenschaft und Gesellschaft; Bonn (Friedrich-Ebert-Stiftung) 1998, pp. 209-225 Andreas Metzner Umwelt- und Technik-Risiken als gesellschaftliches Innovationsproblem - Überlegungen im Verhältnis von Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Öffentlichkeit 1. Einleitung: Aufklärung, Technik und der Prozeß gesell- schaftlicher Modernisierung Die mentalen Triebkräfte des europäischen Modernisierungsprozesses sind durch den Gedanken der Aufklärung (Jüttner, Schiabach 1992), aber auch durch die Perfektibilitätsidee der Technik (Ropohl 1987) bestimmt. Diese zielt darauf, die Naturkräfte im Dienste des Menschen systematisch zu ent- wickeln . ln Verbindung damit tritt das Versprechen, Armut durch Wohlstand zu ersetzen. Erst durch das Zusammenspiel beider Momente ergaben sich die Möglichkeiten, kulturelle Innovationen in gesellschaftliche Mobilisie- rungsprozesse (Beckenbach 1993) zu überführen. Dies erfolgte einmal in dinglicher Form, durch die Entwicklung und lmplementation von Technola- gien der industriellen Produktion, des Verkehrs, der Versorgung, der Tele- kommunikation usw., zum anderen in imaginativer Form, ausgedrückt durch Utopien der Naturbeherrschung, der Überwindung des Raumes und der Er- schließung von Zeit (Giddens 1990), ihrerseits gefördert durch die neuen Medien des Tons und des Films. Die in jüngster Zeit vielbeachtete Risikothematik bietet den Vorzug, die externalisierten Folgen des Fortschritts sowohl im Kontext der gesellschaftli- chen Modernisierungsprozesse (Technisierung, Mobilisierung, Individualisie- rung etc.) als auch der Leitideen der Moderne (Rationalität, Naturbeherr- schung) zu problematisieren. Anders als bei sozialen (verteilungskritischen) und kulturellen (entfremdungskritischen) Aufarbeitungen der Moderne wird in dieser Debatte besonders auf die ökologischen lmplikationen des Prozes- ses fokussiert, der die Industriegesellschaft hervorgebracht hat. Vielen gilt der Begriff des Risikos als Synonym für Gefahr. Mit Evers (1993, S. 348ff.) läßt sich hingegen einsehen, daß diese Gleichung innerhalb eines historischen Kontextes der Produktion und Bewältigung von Gefahren dis- kutiert werden muß. ln früheren Gesellschaftsformen, die viele Gefährdun- 209