Wien, Madrid und die habsburgisch- osmanischen Friedensverhandlungen in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts Aneliya Stoyanova In der zweiten Hälfe des 16. Jahrhunderts stellte die osmanische Bedrohung die beiden Linien der Habsburgerdynastie vor die Frage einer gemeinsamen Tür- kenpolitik. Trotz etlicher Ligapläne trugen Wien und Madrid ihre Kriege ge- gen die Hohe Pforte aber praktisch getrennt aus. Die Wahrnehmung der Tür- kenbedrohung als ein gemeinsames Problem, die engen innerdynastischen Beziehungen und die familiäre Loyalität, die auf vielen Ebenen festzustellen sind, führen zur Frage, worin die innerhabsburgische Solidarität in der Abwehr der Osmanen bestand. Obwohl sich in der Türkenpolitik der beiden Dynastielinien machtpolitische, religiöse, dynastische und auch ökonomische Interessen bün- delten, hat die Geschichtsschreibung der Verfechtung der innerhabsburgischen Beziehungen und der Türkenpolitik beider Machtzentren bislang nicht die gebo- tene Aufmerksamkeit geschenkt. Die gegenseitige Unterstützung während der jeweiligen militärischen Auseinandersetzungen mit den Osmanen beschränkte sich auf bescheidene fnanzielle Subsidien seitens der spanischen Krone, doch können innerdynastische Solidarität und Kooperation auch auf anderen Ebenen festgestellt werden. Eine erstrangige Rolle spielten dabei sowohl die ofzielle als auch die inofzielle Diplomatie. Nicht zu unterschätzen ist auch der inner- dynastische Informationsaustausch. Die diplomatischen Korrespondenzen des Kaiserhofes zeigen eine äußerst aktive Tätigkeit der kaiserlichen Diplomaten am Bosporus im Interesse der spanischen Krone auf. Dabei fanden die Vermittlungs- versuche Wiens in den geheimen Friedensverhandlungen im Namen des spani- schen Königs ihren aufälligsten Ausdruck. Diplomatische Beziehungen und Frieden zwischen Habsburgern und Osmanen im 16. Jahrhundert Bekanntlich erlaubte das islamische Konzept von Frieden keinen dauerhafen Frieden mit den „Ungläubigen“, es sei denn die Nichtmuslime wurden zum