Archäologie Österreichs 16/17 Sonderausgabe, 2005/2006 Absolutchronologie der Mährisch- Ostösterreichischen Gruppe (MOG) der bemalten Keramik aufgrund von neuen 14 C-Datierungen 1 Peter Stadler, Elisabeth Ruttkay, Michael Doneus, Herwig Friesinger, Ernst Lauermann, Walter Kutschera, Inna Mateiciucová, Wolfgang Neubauer, Christine Neugebauer-Maresch, Gerhard Trnka, Franz Weninger und Eva Maria Wild Die so genannte Mährisch-Ostösterreichische Gruppe der Bemaltkeramik verdankt ihre Benen- nung der Jubilarin. Diese Gruppe, deren Fundma- terial aus Niederösterreich, Nordburgenland, dem östlichen Oberösterreich und Südmähren stammt, zeigt eine Zusammengehörigkeit an und ist eine der Regionalgruppen der Bemaltkeramik (auch Lengyel-Kultur), wie sie von Elisabeth Ruttkay mehrfach herausgearbeitet wurde 2 und sich klar von der ungarisch-slowakischen Bemaltkeramik absetzt. Nur für den Beginn, während unserer Pha- se Ia0, die wir auch als formative Phase bezeich- nen, scheinen beide Gruppen einigermaßen zusam- menzugehören. Elisabeth Ruttkay hatte diese Rela- tivchronologie in Anlehnung an die mährische Chronologie aufgestellt, zu einer Zeit also, als noch kaum oder nur sehr ungenaue 14 C-Messungen möglich waren. Forschungsgeschichte Jaroslav Palliardi hatte 1897 3 und 1914 4 Funde aus Österreich der Mährischen Bemaltkeramik ange- schlossen. 1914 teilte er in seiner chronologischen Studie die mährische Gruppe in drei Stufen, die bis heute noch Geltung haben. František Vildomec machte 1928/1929 5 und 1940 6 weitere Vorschläge, das mährische Fundmaterial zu untergliedern, eine Einteilung in zwei Grundstufen und je drei Unter- stufen. Es folgten zwei Dissertationen in Wien, von Rudolf Reindl 7 und Alois Ohrenberger, 8 beide wa- ren „positivistische“ Materialsammlungen ohne Auswertung. Richard Pittioni baute 1954 9 darauf auf und teilte die Lengyel-Kultur in Österreich in eine ältere bemalte, und eine jüngere unbemalte Stufe („Wolfsbach-Kultur“), in Anlehnung an die Chronologie von Vildomec, was die zwei Grund- stufen betrifft. Die Gemeinsamkeiten mit den mäh- rischen Funden veranlassten Richard Pittioni, die Benennung mährisch-niederösterreichisch-bur- genländische Gruppe der Bemaltkeramik“ zu ver- geben. Schließlich prägte Elisabeth Ruttkay den Begriff der MOG (Mährisch-Ostösterreichische Gruppe der Bemaltkeramik), unter Berücksichtigung von Neufunden aus Oberösterreich. Sie teilte die ältere Stufe in zwei Phasen, genauso wie die jüngere. Ih- rer Relativchronologie wollen wir uns hier in unse- rer Arbeit anschließen, mit den Stufen I und II und den Phasen Ia, Ib, IIa und IIb. Ganz große Bedeu- tung hatten sodann die Arbeiten von Vladimir Podborský 1977, 10 vor allem mit dem numerischen Code der mährischen bemalten Keramik. Es 1) Es mag vielleicht befremdlich erscheinen, dass die Jubilarin bei diesem Artikel selbst als Autorin auftritt. Bis zuletzt war sie jedoch nicht darüber informiert, dass dieser Artikel in ihrer ei- genen Festschrift erscheinen würde. Wir, all die anderen Auto- ren dieses Beitrages, wollen nun jedoch die Gelegenheit nut- zen, Elisabeth Ruttkay, die vom viel zu früh verstorbenen Jo- hannes-Wolfgang Neugebauer zu Recht als die „Grande Dame“ der österreichischen Neolithforschung apostrophiert wurde, zum achtzigsten Geburtstag zu gratulieren. Gleichzei- tig wollen wir uns in diesem Rahmen bei ihr für die großartige Zusammenarbeit in all den Jahren bedanken und damit die Hoffnung verknüpfen, dass ihre überaus schöpferische Phase noch lange anhalten möge, damit wir diese Kooperation im Sinne einer Erweiterung unseres Wissens zum Neolithikum weiter fortsetzen können. 2) E. Ruttkay 1972: Ein Lengyel-Grab aus Wetzleinsdorf, Nie- derösterreich. Bemerkungen über die unbemalte Phase der Lengyel-Kultur in Österreich. Mitt. Anthropol. Ges. Wien 102, 1972, 33–39. – E. Ruttkay 1978: Das Neolithikum mit bemal- ter Keramik in Österreich. Eine chronologisch-kulturhistori- sche Untersuchung. Ungedruckte Dissertation, Univ. Wien 1978. – E. Ruttkay 1984: Zusammenfassender Forschungs- stand der Lengyel-Kultur in Niederösterreich. Mitt. österr. Ar- beitsgem. für Ur- und Frühgeschichte 33/34 (1983/1984), 221–246. – E. Ruttkay 1985: Das Neolithikum in Niederöster- reich. Forschungsber. zur Ur- und Frühgeschichte 12, Neube- arbeitung der ersten Ausgabe von 1983. Zur Relativchronolo- gie speziell 21–22. 3) J. Palliardi 1897: Die neolithischen Ansiedlungen mit be- malter Keramik in Mähren und Niederösterreich. Mitt. Prähist. Komm. 1, 1897, 237–264. 4) J. Palliardi 1914: Die relative Chronologie der jüngeren Steinzeit in Mähren. Wiener Prähist. Zeitschr. 1914, 256–277. 5) F. Vildomec 1930: O moravské neolitické keramice malova- né. La ceramique peinte morave néolithique. Obzor prehis- torický 7/8, 1930, 1–43. 6) F. Vildomec 1940: Nové pozoruhodné nálezy v neolitické malované keramice moravské. Neue Funde der mährischen be- malten Keramik. Obzor prehistorický 12, 1940, 100–116. 7) R. Reindl 1937: Die Donauländische Kultur in Niederöster- reich. Ungedruckte Dissertation, Univ. Wien 1937. 8) A. Ohrenberger 1949: Die Jungsteinzeit des Burgenlandes. Ungedruckte Dissertation, Univ. Wien 1949. 9) R. Pittioni 1954: Urgeschichte des Österreichischen Rau- mes. Wien 1954, speziell 145. 10) V. Podborský, E. Kazdová, P. Košturík und Z. Weber 1977: Numerický kod moravské malované keramiky. Problémy des- kripce v archeologii. Brno 1977.