Hoppe-Seyler's Z. Physiol. Chem.
Bd. 361, S. 357-377, März 1980
Untersuchung von Flußgeschwindigkeiten in der isolierten perfundierten Rattenleber
durch Pulsmarkierung mit radioaktiven Substraten und mathematischer Analyse der
Auswaschkinetiken
Adelar BRACHT*, Andreas J. SCHWAB und Roland SCHOLZ
Institut für Physiologische Chemie, Physikalische Biochemie und Zellbiologie der Universität München
(Der Schriftleitung zugegangen am 28. Juni 1979)
Zusammenfassung: Das Verfahren der „multiple
indicator dilution technique" von Goresky und
Bach wird diskutiert und seine Anwendung auf
die isolierte, hämoglobinfrei perfundierte Ratten-
leber beschrieben.
Die Ergebnisse von Pulsmarkierungsexperimenten
mit Indikatorsübstanzen für den gesamten wäßri-
gen Lösungsraum der Leber ([
3
H]Wasser und
[
14
C]Harnstoff) und für den extrazellulären Raum
([HCJSaccharose, [
3
H]Inulin und [
3
H]Dextran)
zeigen, daß das Goreskysche Modell für die Leber
in situ auch die Hämodynamik einer isolierten,
nur mit einer Elektrolytlösung perfundierten Le-
ber ausreichend beschreibt.
Es wird gezeigt, daß das Verfahren der „multiple
indicator dilution technique" zusammen mit den
bisher vorhandenen mathematischen Grundlagen
verwendet werden kann, um Parameter für den
Transport durch die Plasmamembran der Leber-
zellen zu bestimmen. Es ist jedoch beschränkt auf
Substanzen, die nur sehr langsam metabolisiert
werden. Dies wird dargelegt am Beispiel des D-Lac-
tat-Transports, d.h. des Austausches von D-Lactat
zwischen extra- und intrazellulärem Raum der
Leber.
Am Beispiel des Transports und Stoffwechsels von
L-Lactat werden eine mögliche Ausweitung dieser
Methode, aber auch ihre Grenzen aufgezeigt. Da
in den bisher vorliegenden Gleichungen Stoff-
wechselvorgänge nur summarisch beschrieben
und Produkte nicht berücksichtigt werden, kön-
nen mit dem Verfahren einstweilen keine Stoff-
wechselparameter bestimmt werden. Auch Trans-
portparameter lassen sich nur mit erheblicher Un-
sicherheit erfassen, wenn die transportierten Sub-
stanzen sehr schnell in reversiblen Reaktionen
umgesetzt werden. Die vorliegenden Daten erlau-
ben allerdings die Aussage, daß der Membran-
transport von L-Lactat ungefähr zehnmal schnel-
ler ist als der von D-Lactat. Eine Erweiterung der
Fließmodelle unter Berücksichtigung sämtlicher
Produkte wird diskutiert.
Key words: Multiple-indicator dilution technique, perfused liver, lactate transport, pulse labelling.
Enzyme:
Glycerinaldehydphosphat-Dehydrogenase, D-Glycerinaldehyd-3-phosphat:NAD®-Oxidoreduktase
(phosphorylierend) (EC 1.2.1.12);
Lactat-Dehydrogenase, L-Lactat:NAD®-Oxidoreduktase (EC 1.1.1.27);
Urease, Harnstoff-Amidohydrolase (EC 3.5.1.5).
Verwendete Symbole: s. S. 362-363.
* Diese Arbeit enthält wesentliche Teile der Dissertation von Adelar Bracht.
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