Nicole C. Karafyllis Homo faber revisited. Eine philosophische Bestandsaufnahme der ›Machbarkeit‹ Hans Poser: Homo Creator. Technik als philosophische Herausforderung, Wiesba- den 2016, (Reihe: Anthropologie – Technikphilosophie – Gesellschaft), 396 S. Mit Homo Creator, einem Buch über den schöpferisch-schaffenden Menschen und seine Schöpfungen, hat Hans Poser ein hervorragend lesbares Werk zur Technikphi- losophie vorgelegt. Wie der Titel andeutet, geht es vorrangig um eine anthropologi- sche und ontologische Perspektivierung des Homo faber – und weil »Creator« mutig mit einem kapitalen C daherkommt, ahnt man, dass auch die Frage nach der anthro- pogenen Substitution des Schöpfers eine Rolle spielen wird. Wer annimmt, dass der Creator eine dem Erfinder notwendige Beigesellung des Schöpfers ist, liegt auch nicht falsch. Die 14 Abschnitte, gegliedert in sechs Kapitel, beruhen auf zum Teil schon veröf- fentlichten, aber auch unveröffentlichten oder neu geschriebenen Aufsätzen. Hier können nicht alle gleichberechtigt besprochen werden, der Schwerpunkt liegt auf den erstmals publizierten Beiträgen. Die Zusammenstellung liest sich wie aus einem Guss, was in der hohen Systematizität von Posers Technikdenken begründet liegt. Kapitel I (Einleitung) eröffnet mit dem Abschnitt »Grundzüge technischen Denkens der Moderne«, der allgemein der Begriffsklärung und Kulturbezogenheit von Tech- nik gewidmet ist und eine breitere Leserschaft ansprechen soll, gefolgt von »Per- spektiven einer Philosophie der Technik«. Mit diesem im Jahr 2000 in der Allgemei- nen Zeitschrift für Philosophie vorgelegten Text geht es für den vorgebildeten Leser nun mit dem Buch ›richtig los‹. Zentrale Problemstellungen, die das Buch durchzie- hen, werden hier präfiguriert: die Imagination von Technik als Apokalypse; die schwierige Notwendigkeit, Technik als Systemzusammenhang zu denken; die kon- zeptuellen Elemente des Technikdenkens mit Vorstellung zentraler Autoren; das Hermeneutikproblem, welches das Verhältnis von Intention und Finalität beim Ma- chen von Technik aufgreift, was zum Abschluss der Einleitung geschickt in die Fra- ge nach den philosophischen Voraussetzungen von Machbarkeit überführt wird. Hier ist Poser ganz in seinem Element, weil ontologische mit erkenntnis- und wissenschaftstheoretischen Konzepten verknüpft sind: »Wenn Technik die Verwirk- lichung von Ideen ist, ist sie Verwirklichung von Möglichkeit. Wenn das Charakte- ristikum der Systemtechnik die Bereitstellung von Potenzen ist, so handelt es sich 303