Osteoimmunologie – IMMUNOBONE
Z Rheumatol 2018 · 77 (Suppl 1):S12–S15
https://doi.org/10.1007/s00393-018-0455-0
Online publiziert: 24. April 2018
© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von
Springer Nature 2018
M. Rauner
1
· F. Buttgereit
2
· J. Distler
3
· A. I. Garbe
4
· M. Herrmann
3
· L. Hofbauer
1
·
M. Hoffmann
3
· R. Jessberger
5
· U. Kornak
6
· G. Krönke
3
· S. Mundlos
7
· C. Spies
2
·
J. Tuckermann
8
· J. Zwerina
9
1
Medizinische Klinik und Poliklinik, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus, Dresden, Deutschland
2
Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Rheumatologie und Klinische Immunologie, Campus Charité Mitte,
Charité – Universitätsmedizin Berlin, Berlin, Deutschland
3
Universitätsklinikum Erlangen, Medizinische Klinik 3 – Rheumatologie und Immunologie, Friedrich-
Alexander Universität Erlangen – Nürnberg, Erlangen, Deutschland
4
Osteoimmunology, DFG-Center for Regenerative Therapies Dresden (CRTD), Center for Molecular and
Cellular Bioengineering (CMCB), Technische Universität Dresden, Dresden, Deutschland
5
Institut für Physiologische Chemie, Technische Universität Dresden, Dresden, Deutschland
6
Max-Planck-Institut für molekulare Genetik, Berlin, Deutschland
7
Institut für Medizinische Genetik und Humangenetik, Charité – Universitätsmedizin Berlin, Berlin,
Deutschland
8
Institut für Molekulare Endokrinologie der Tiere, Universität Ulm, Ulm, Deutschland
9
Hanusch-Krankenhaus, Wien, Österreich
Osteoimmunologie –
IMMUNOBONE
Regulation des Knochens durch Entzündung
Mit der Förderung des Schwerpunktpro-
gramms (SPP) 1468 „IMMUNOBONE
– A Program to Unravel the Interactions
between Immune System and Bone“
unter der Leitung von Professor Georg
Schett aus Erlangen hat die Deutsche
Forschungsgemeinschaf ein Zeichen
gesetzt, um die Osteoimmunologie, wel-
che die Wechselwirkungen zwischen
Knochen und Immunsystems unter-
sucht, gezielt zu fördern. Im Rahmen
dieser Förderung haben über 31 Grup-
pen wegweisende Erkenntnisse zu den
zellulären und molekularen Grundlagen
osteoimmunologischer Wechselwirkun-
gen geliefert und Deutschland als einen
international anerkannten Standort für
Osteoimmunologie geprägt. Die Arti-
kel von Georg Schett, Tomas Kamradt
und dieser stellen einen Überblick über
die wichtigsten Ergebnisse des Schwer-
punktprogramms dar. In diesem Beitrag
werden v.a. neue Erkenntnisse zur Wir-
kung von Glukokortikoiden vorgestellt,
Glukokortikoidalternativen diskutiert
und neue molekulare Mechanismen
der pathologischen Knochendestruktion
bzw. -formation erläutert.
Neues zu Glukokortikoiden
Glukokortikoide haben trotz ihres Ne-
benwirkungsprofils nach wie vor einen
wichtigen Stellenwert in der Behandlung
von chronisch entzündlichen Erkran-
kungen. Da die durch Glukokortikoid
vermittelte Osteoporose zu den häufigs-
ten sekundären Osteoporosen zählt, ist
es notwendig, die zugrunde liegenden
Mechanismen der knochenschädigen-
den Wirkungen von Glukokortikoiden
besser zu verstehen, um neue, kno-
chenschonende Behandlungsformen zu
entwickeln. Innerhalb des Schwerpunkt-
programms haben sich 3 Gruppen ein-
gehend mit der Wirkung von endogenen
und exogenen Glukokortikoiden be-
schäfigt sowie mit der Untersuchung
von selektiven Glukokortikoidrezepto-
ragonisten als mögliche Alternative zu
klassisch eingesetzten Glukokortikoiden.
Effekte endogener Glukokortikoide
Die Forscher um Frank Buttgereit unter-
suchten die Rolle der endogenen Gluko-
kortikoide bei der Vermittlung und Un-
terhaltung von Entzündungsvorgängen
und der Knochen-/Knorpelzerstörung
bei autoimmunen Arthritiden. Dabei
stand v.a. der Osteoblast im Fokus. Die
Forscher überexprimierten die 11β-Hy-
droxysteroid-Dehydrogenase Typ 2 in
Mäusen, um das Glukokortikoidsigna-
ling in Osteoblasten zu unterbrechen.
Die Rolle des Glukokortikoidsignalings
wurde in 2 komplementären Arthri-
tismodellen untersucht [1]. Im ersten
Modell der antigeninduzierten Arthri-
tis (AIA), in dem T-Zellen für die
Entwicklung der Entzündungsreaktion
notwendig sind, hatte das Ausschalten
des Glukokortikoidsignalings in Osteo-
blasten keinen Einfluss auf den Entzün-
dungsverlauf und die Zerstörung des
Knochens und Knorpels. Im Gegensatz
dazu entwickelten Mäuse mit unter-
brochenem Glukokortikoidsignaling in
Osteoblasten einen leichteren Verlauf
der Arthritis als Wildtypmäuse in den
K/BxN- und antikörperinduzierten Ar-
thritismodellen. Dies ging auch mit einer
geringeren Knochendestruktion einher
[2]. Da die letzteren Arthritismodelle
durch den Transfer von Autoantikörpern
passiv induziert werden und nicht auf
das adaptive Immunsystem angewiesen
S12 Zeitschrift für Rheumatologie · Suppl 1 · 2018