S OZIOLOGIE , 42. J G ., H EFT 4, 2013, S. 407–413 Man sollte nicht den Sack schlagen, wenn man den Esel meint 1 Beat Fux und A. Doris Baumgartner Wir lasen Christian Flecks Beitrag über »Tertiäre Analphabeten« in Heft 2 der Soziologie zunächst mit schmunzelndem Interesse, wohl nicht zuletzt deshalb, weil sich der Grazer Kollege Gedanken über einen Sachverhalt macht, mit dem zwar die Mehrzahl der im Wettkampf um Forschungsmit- tel Beteiligten Primärerfahrungen gemacht hat, nämlich der unsachlichen Beurteilung im Rahmen von peer-review-Verfahren, wie sie bei wissen- schaftlichen Zeitschriften, Preisausschreibungen oder in der Forschungs- förderung praktiziert werden, der aber tatsächlich kaum dokumentiert ist. Irgendwann schlug jedoch das auch durch Voyeurismus genährte Inter- esse in Verärgerung um. Kann man sich die Sache so einfach machen und den GutachterInnen (einschließlich jenen, die sich bei ihren Stellungnah- men nicht leicht tun) schlicht »basale hermeneutische und professionelle Kompetenzen« (Fleck 2013: 185) aberkennen und sie des Analphabetismus zeihen? Kann man aus der mangelhaften Professionalität einzelner Gutach- ten auf »systematische Mängel« (ebd: 193) der Evaluationsverfahren schlie- ßen? Kann man, wie das Fleck implizit macht, für ein Recht auf eine affir- mative Evaluation seiner Einsendung oder seines Projektantrags plädieren? Versuchen wir in einem ersten Schritt, die Begutachtung wissenschaftli- cher Anträge (neben den drei von Fleck angesprochenen Fällen – peer-re- views, Preiskomitees und Gutachten im Rahmen der Forschungsförderung – müssten wohl auch die Verfahren der Personalselektion, zum Beispiel Be- rufungsverfahren, in die Überlegungen einfließen) mit Beurteilungsverfah- 1 Anmerkungen zu Christian Fleck 2013: Tertiärer Analphabetismus. Soziologie, 42. Jg., 185–209.