Frankfurter elektronische Rundschau zur Altertumskunde 39 (2019) 13 http://www.fera-journal.eu Annotationes Epigraphicae XII Zu einigen Inschriften aus den römischen Provinzen Germania inferior und Germania superior * Andreas Kakoschke I. Seit der Mitte des 18. Jahrhunderts ist ein Steinensemble aus Frankfurt-Heddern- heim/Nida bekannt, das aus einer 107 cm hohen Geniusstatue und einer zugehörigen Basis (Höhe 54 cm – Breite 50,5 cm – Tiefe 34,5 cm) aus Sandstein besteht (Abb.1). Die im Sockel eingeschlagene Inschrift datiert das Objekt durch die Angabe der amtierenden Konsuln in das Jahr 230 n. Chr. Vor einigen Jahren hat HERZ die vielsagende Inschrift in einem Aufsatz aus- führlich besprochen und hinsichtlich ihrer sozialen, rechtlichen und psychologischen Implikationen eingehend interpretiert. Dabei gibt HERZ den Text, der ihm zufolge „im wesentlichen als unproblematisch“ gelten darf, sinngemäß wie folgt wieder: 1 In • h(onorem) • d(omus) • d(ivinae) genium plateae novi vi- ci cum edicula(!) et ara T(itus) • Fl(avius) • Sanctinus mil(es) • leg(ionis) • XXII 5 P(rimigeniae) • [[Alexan(drianae)]] • p(iae) • f(idelis) • imm(unis) • co(n)s(ularis) • et Per- petuus et Felix fratres c(ives) • R(omani) • et Taunenses ex origi- ne patris T(iti) • Fl(avii) • Materni ve- terani cōh(ortis) • III • praet(oriae) • piae 10 vindicis et Aurelia Am- mias mater eorum c(ivis) • R(omana) • d(ono) • d(ederunt) Agricola et Clementino cō(n)s(ulibus) Aufgrund des erwähnten Aufsatzes von HERZ lässt sich zu der Inschrift an sich kaum etwas Neues beitragen. Überraschenderweise enthält die von HERZ dargebotene Um- * Bei den Herausgebern der FeRA, Herrn Prof. Dr. K. Matijević (Flensburg) und Herrn Dr. P. Probst (Hamburg), bedanke ich mich wie immer für einige wichtige Hinweise. Für die Bereitstellung der Photos danke ich Herrn Prof. Dr. R. Wiegels und Herrn Prof. Dr. K. Matijević (CIL XIII/2-Projekt, Universitäten Trier/Flensburg) sowie Herrn Dr. O. Harl (Universität Wien). Für kritische Hinweise danke ich meinen Kollegen Herrn Dr. St. Oelschig (Osnabrück) und Herrn Prof. Dr. St. F. Pfahl (Düsseldorf). – Ligaturen bzw. Nexus werden im Folgenden durch unterstrichene Buchstaben wieder- gegeben. – Die bisherigen Annotationes Epigraphicae erschienen in den vorhergehenden Ausgaben der FeRA. Die Annotationes Epigraphicae III finden sich im GFA 19 (2015), 179-197. 1 HERZ 1989, 159. Taf.30. Abb.1-2 (Photos). In der Umschrift wurden Worttrenner und Ligaturen gemäß den Angaben im CIL und der Photographie (Abb.1) hinzugefügt. Zudem hat der Autor kleinere Fehler bei der Wiedergabe des Textes [Zeile 5, Alexand(rianae); Zeile 11, c(ivis) R(omanus)] still- schweigend korrigiert, ein Ausrufezeichen in Zeile 3 ergänzt, die antike Rasur in Zeile 5 kenntlich gemacht, das O in Zeile 9 und 12 wie eingeschlagen mit einem Überstrich wiedergegeben und das T zu T(itus) (Zeile 4) bzw. T(iti) (Zeile 8) aufgelöst. – Der Stein befindet sich heute im Stadtmuseum Wies- baden (Sammlung Nassauischer Altertümer, Inv.-Nr.341).