224 versprechender, der beiden Repräsentati- onsformaten einen eigenen Geltungsbe- reich zuordnet, also integrieren kann, ohne ein fauler Kompromiss zu sein.« (145) »Ich verstehe diese Argumentation nicht. Wieso müssen […] Und wieso […]« (163) »Dabei handelt es sich eher um einen Kunstgriff als um ein echtes Argument.« (175) »Die kriti- sierte Position existiert streng genommen gar nicht.« (182/3) Maingueneau, Dominique: Linguistische Grundbegriffe zur Ana- lyse literarischer Texte. Tübingen: Narr, 2000 (narr studienbücher). – ISBN 3-8233- 4982-1. 208 Seiten, 18,40 (Ursula Renate Riedner, München) Daß bei der Lektüre literarischer Texte in der Fremdsprache zwangsläufig immer auch die Sprache selbst Gegenstand er- höhter Aufmerksamkeit ist, liegt auf der Hand. Dieser Tatsache wird bei der Ver- mittlung fremdsprachiger literarischer Texte gemeinhin dadurch Rechnung ge- tragen, daß der Analyse und Interpreta- tion der Texte eine Phase vorgeschaltet wird, die der Klärung wichtiger lexikali- scher und grammatischer Zusammen- hänge gilt – wobei diese Phase weitge- hend ohne Bezug zur literarischen Text- analyse bleibt. Daß Sprachanalyse und literarische Analyse jedoch sehr wohl sinnvoll aufeinander bezogen werden können, macht das vorliegende Buch des in Paris lehrenden französischen Sprach- und Literaturwissenschaftlers Domi- nique Maingueneau deutlich. Dieser An- spruch macht das ursprünglich für fran- zösische Philologiestudenten verfaßte Studienbuch auch für die Literaturwis- senschaft im Bereich Deutsch als Fremd- sprache interessant. Maingueneau konzentriert sich in seinen Linguistischen Grundbegriffen zur Analyse literarischer Texte auf einige zentrale grammatische Phänomene, wie zum Bei- spiel die Deixis, die Phorik und das Tempussystem, deren Funktion und lite- rarische Wirkung er im Zusammenhang einer Vielzahl von Beispielen aus der französischen Literatur untersucht. Welch zentrale ästhetische und sinnkon- stituierende Funktion einzelnen sprachli- chen Mitteln im Zusammenhang eines literarischen Textes zukommen kann, macht nicht zuletzt die hervorragende Bearbeitung und Übersetzung des Bu- ches durch Jörn Albrecht deutlich. Die deutsche Fassung, die z. T. im Rahmen eines Seminars am Institut für Überset- zen und Dolmetschen der Universität Heidelberg entstanden ist und vom Au- tor selbst durchgesehen und ergänzt wurde, ist so bearbeitet, daß das Studien- buch trotz der überwiegend französisch- sprachigen Beispiele auch von Nicht- Romanisten gewinnbringend rezipiert werden kann. So sind den Originalbei- spielen fast durchweg auf dem Buch- markt erhältliche deutsche Übersetzun- gen beigefügt. Dies stellt zum einen eine Verständnishilfe für Leser mit nur gerin- gen Französischkenntnissen dar. Gleich- zeitig zeigen die Übersetzungen, daß es für eine ganze Reihe erzähltechnisch relevanter sprachlicher Mittel kein Äqui- valent in der Zielsprache gibt, so daß mit der Übersetzung auch ein Teil der spezi- fischen Wirkung des französischen Origi- nals verlorengeht. Besonders eindrücklich zeigt sich dies z. B. in der ersten deutschen Übersetzung von Camus’ L’Etranger: So löste, wie Albrecht in einer Fußnote anmerkt, Ca- mus’ Roman bei seinem Erscheinen in Frankreich allein dadurch einen literari- schen Skandal aus, daß er die Ereignisse, die in herkömmlichen Erzählungen im Französischen im passé simple wiederge- geben sind (also in dem Tempus, das dazu dient, Ereignisse als eine kausale Handlungskette darzustellen), im Roman Unauthenticated Download Date | 11/18/19 7:41 AM