146 DEBATTE sub\urban. zeitschrift für kritische stadtforschung 2022, 10(1), 146-149 doi.org/10.36900/ suburban.v10i1.803 zeitschrift-suburban.de CC BY-SA 4.0 Debatte zu: „Was ist Stadt? Was ist Kritik?“ Das Urbane konzeptualisieren Beitrag zur Debatte „Was ist Stadt? Was ist Kritik?“ Allan Cochrane Zwischen der fast schon nachlässigen umgangssprachlichen wie auch akademischen Verwendung des Begriffs des Urbanen[1] – wir alle wissen, wo es liegt – und der Suche nach spezifscheren, gar wissenschaftlichen Defnitionen besteht ein schwieriges Verhältnis. Auf den ersten Blick scheint es eine recht leichte Aufgabe, das Urbane städtischer Politik zu identifzieren. Es ist ganz einfach die Politik, die in städtischen Gebieten stattfndet, welche in der Praxis üblicherweise durch die territorialen Grenzen defniert sind, in denen sich der lokale Staat konstituiert. Aus dieser Perspektive [betrachtet] lässt sich die Politik von Stadt- und Metropolregierungen als der formale Ausdruck städtischer Politik begreifen. Aber natürlich impliziert solch eine Formulierung ein allzu enges und begrenztes Verständnis des „Urbanen“, da sie die politischen Möglichkeiten und Problematiken städtischen Lebens [urban life] nicht erfasst. Ein Weg, der hier weiterführen könnte – und den ich beschreiten möchte – besteht darin, die Alltagspraktiken des urbanen Lebens [urban living] genauer in den Blick zu nehmen und zu prüfen, inwieweit sie Optionen eröffnen, die über die formale Politik hinausgehen, so wichtig diese mitunter auch sein mag. Das ermöglicht es nicht nur, über Aktivitäten nachzudenken, denen oft nicht einmal das Etikett „Politik“ zuerkannt bekommen, sondern auch, die Bedeutung aufkeimender politischer – und sozialer – Bewegungen und die Forderungen verschiedener Gruppen zu untersuchen. Weniger positiv formuliert wäre gegebenenfalls auch zu prüfen, inwieweit städtische Lebenspraktiken von anderen Triebkräften geprägt werden, wie z.B. den Interessen von Grundbesitzer*innen, Ver- mieter*innen und Immobilienentwickler*innen, die in sogenannte Wachstumskoalitionen oder städtische Regime eingebunden sein können. Das Alltagsleben [in] der Stadt ist ein umstrittenes und unebenes Terrain,